Die Stadt Ettenheim startet im Thema Breitband neu durch: Der Glasfaserausbau in Ettenheim wird grundlegend neu organisiert und in Partnerschaft mit der Telekom umgesetzt. Dies hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am vergangen Dienstag beschlossen. Hintergrund ist die Entscheidung der Telekom, nahezu das gesamte Stadtgebiet künftig eigenwirtschaftlich mit Glasfaser auszubauen. Die den Ausbau koordinierende Breitband Ortenau GmbH & Co. KG (BOKG) wird sich künftig auf die verbleibenden Außenbereiche konzentrieren und dort den geförderten Ausbau im sogenannten Wirtschaftlichkeitslückenmodell begleiten. In Folge wird der bestehende Förderbescheid für den geförderten Breitbandausbau zurückgegeben.
Für Ettenheim lag seit 2024 ein Förderbescheid von Bund und Land für den Ausbau von 254 unterversorgten Gebäuden vor. Die Breitband Ortenau hat hierfür bereits die vollständige Netz- und Genehmigungsplanung umgesetzt. Im diesjährigen Markterkundungsverfahren hat die Telekom jedoch angekündigt, den überwiegenden Teil des Gemeindegebiets eigenwirtschaftlich auszubauen. Neben der Kernstadt sollen dabei auch Wallburg und Ettenheimweiler sowie weitere 404 Gebäude, die bisher über das Kabelinternet (Docsis) versorgt wurden, einen Glasfaseranschluss erhalten. Der Baustart könnte noch im Laufe des Jahres 2026 erfolgen.
„Wenn ein Telekommunikationsunternehmen den Ausbau eigenwirtschaftlich übernimmt, ist das für die Kommune die wirtschaftlich sinnvollste Lösung. So können öffentliche Fördermittel gezielt dort eingesetzt werden, wo ein privatwirtschaftlicher Ausbau wirtschaftlich nicht möglich ist“, sagt Josef Glöckl-Frohnholzer, Geschäftsführer der Breitband Ortenau GmbH & Co. KG.
Nach der neuen Ausbauplanung verbleiben lediglich einzelne Gebäude in den Außenbereichen, die weiterhin auf eine öffentliche Förderung angewiesen sind. Diese sollen künftig über ein Wirtschaftlichkeitslückenmodell erschlossen werden. Auch hier will sich die Telekom an der Ausschreibung bewerben und würde bei einem Zuschlag den Ausbau übernehmen, während Bund und Land die Wirtschaftlichkeitslücke fördern. Die Breitband Ortenau wird die Stadt Ettenheim bei der Umsetzung des Förderverfahrens begleiten. Insgesamt sollen auf diesem Weg rund 145 Adressen mit Glasfaser erschlossen werden.
„Nach Abwägung der veränderten Rahmenbedingungen ist es nur folgerichtig, dass wir als Kommune den Förderbescheid zurückgeben. Die dadurch geänderte Ausrichtung des Projekts ermöglicht es uns, die dafür vorgesehenen Haushaltsmittel für andere wichtige Projekte in unserer Stadt einzusetzen“, erklärt Bürgermeister Bruno Metz.
Durch die Rückgabe des Förderbescheids entfällt der ursprünglich vorgesehene kommunale Eigenanteil von rund 1,31 Millionen Euro für den bisherigen Förderausbau. Gleichzeitig entstehen der Stadt Kosten für bereits erbrachte Planungsleistungen der Breitband Ortenau sowie bilanziell bedingte Abschreibungen. Dem stehen jedoch deutlich geringere Ausbaukosten im Wirtschaftlichkeitslückenmodell sowie mögliche Erlöse aus der späteren Verpachtung oder Veräußerung der errichteten Infrastruktur gegenüber.
Der Glasfaserausbau ist das größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte des Ortenaukreises. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren rund 121.200 Gebäude im Landkreis an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Ziel ist es, durch die Kombination aus gefördertem und eigenwirtschaftlichem Ausbau eine möglichst flächendeckende Versorgung mit gigabitfähiger Infrastruktur zu erreichen. Der Ausbau in der Ortenau macht gute Fortschritte: Die sogenannte Homes-Passed-Quote liegt bereits bei 52 Prozent. Das bedeutet, dass bei mehr als der Hälfte aller Gebäude das Glasfaserkabel bereits in der Straße liegt und ein Anschluss ans Netz technisch kurzfristig möglich wäre. Bis 2027 soll eine Homes-Passed-Quote von 70 Prozent erreicht werden, der vollständige Ausbau aller bislang unterversorgten Gebäude soll bis 2031 abgeschlossen sein.