Führungstrupp Ortenau Süd nimmt Betrieb auf – vier Freiwillige Feuerwehren bündeln ihre Führungskompetenz

Neue Einheit unterstützt Einsatzleiter in der Anfangsphase von Einsätzen und stärkt die interkommunale Zusammenarbeit

Kommandanten der vier Gemeinden
Bildquelle: Sandra Decoux

Kurze Wege, fundierte Ortskenntnisse und eine strukturierte Führungsunterstützung direkt zu Beginn eines Einsatzes: Mit dem Führungstrupp Ortenau Süd haben die Feuerwehren Ettenheim, Mahlberg, Ringsheim und Kippenheim eine gemeinsame Einheit geschaffen, die Einsatzleiter entlastet und die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg weiter stärkt. Die Einheit nahm am 16. Oktober 2026 offiziell ihren Betrieb auf. Beim gemeinsamen Vorort-Termin im Rettungszentrum Ettenheim wurden die Entstehung, die Aufgaben und die Arbeitsweise der neuen Einheit vorgestellt.

Mehr als 300 Menschen engagieren sich in den vier Freiwilligen Feuerwehren. Sie leisten eine unverzichtbare Arbeit, häufig unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen. Ihr ehrenamtlicher Einsatz ist eine tragende Säule des Katastrophenschutzes und der Sicherheit der Bevölkerung.

Die Idee für einen gemeinsamen Führungstrupp entstand im Jahr 2025 nach mehreren Einsatzereignissen. Die Kommandanten der vier Gemeinden erkannten den Bedarf an einer schnell verfügbaren Führungsunterstützung, die mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut ist und bereits in der Anfangsphase eines Einsatzes wichtige Aufgaben übernehmen kann. Bis zur Inbetriebnahme waren zahlreiche Abstimmungen notwendig: Die beteiligten Gemeinden mussten entsprechende Vereinbarungen treffen, Aufgaben und Einsatzmittel wurden definiert und an die Anforderungen angepasst.

Um die Einheit fachlich und organisatorisch aufzustellen, trafen sich die Kommandanten regelmäßig. Gleichzeitig wurden die Gruppen- und Zugführer monatlich fortgebildet. Auf dem Ausbildungsplan standen unter anderem Lagekartenerstellung, Einsatzdokumentation, Organisation, Einsatztaktik und Logistik.

In seinem Rückblick hob Bürgermeister Bruno Metz insbesondere die gute Zusammenarbeit der beteiligten Feuerwehren hervor und sprach ihnen seinen Dank aus. Auch die Bürgermeister Matthias Gutbrod aus Kippenheim, Dietmar Benz aus Mahlberg und Pascal Weber aus Ringsheim betonten den großen Nutzen des gemeindeübergreifenden Führungstrupps für künftige Einsatzlagen. Durch die im vergangenen Jahr vereinbarte Zusammenarbeit lasse sich das vorhandene Fachwissen bündeln und die Arbeit der Einsatzkräfte vor Ort gezielt unterstützen. Während sich der örtliche Einsatzleiter auf das eigentliche Einsatzgeschehen konzentrieren könne, behielten erfahrene Führungskräfte aus der Distanz die Lage im Blick und könnten bei Bedarf wichtige Einschätzungen und Empfehlungen einbringen. Die Bürgermeister begrüßten die gemeinsame Lösung ausdrücklich und waren sich einig, dass die interkommunale Zusammenarbeit einen echten Mehrwert bietet. Wie Bruno Metz zusammenfasste: „Zusammen schaffen wir mehr und besser“.

Die ersten Minuten eines Einsatzes strukturieren

Die zentrale Aufgabe des Führungstrupps ist es, die häufig unübersichtliche Anfangsphase eines Einsatzes zu verkürzen und den Einsatzleiter gezielt zu entlasten. Dazu übernimmt die Einheit zu Beginn beispielsweise den Funkverkehr, führt die Lagekarte und dokumentiert den Einsatzverlauf. Dadurch kann sich der Einsatzleiter stärker auf die unmittelbare Führung der örtlichen Einsatzkräfte und die taktischen Entscheidungen konzentrieren, erklärt Volker Kern, Hauptbrandmeister, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Ringsheim und Leiter des „Führungstrupps Ortenau Süd“.

Dabei hat der Führungstrupp keine eigene Befehls- oder Weisungsbefugnis. Er arbeitet ausschließlich unterstützend und handelt im Auftrag des Einsatzleiters. Durch die Übernahme organisatorischer und dokumentarischer Aufgaben können weitere Führungskräfte zudem gezielter eingesetzt werden, beispielsweise als Abschnittsleiter. Ein wesentlicher Vorteil ist die Vorbereitung auf eine mögliche Ausweitung des Einsatzes. Entwickelt sich die Lage weiter, kann die nächsthöhere Führungsstufe strukturiert eingebunden werden. Trifft eine Führungsgruppe ein, kann der Führungstrupp idealerweise in diese integriert werden. Die bereits begonnene Lageführung und Dokumentation werden dann in einem größeren Führungsrahmen fortgeführt. So gehen vorhandene Informationen nicht verloren und die Führungsarbeit kann nahtlos weitergeführt werden.

Gemeinsame Ressourcen effizienter nutzen

Der Führungstrupp verfolgt mehrere Ziele: Er soll die Chaosphase zu Einsatzbeginn reduzieren, die Vorbereitung auf größere Einsatzlagen erleichtern, regionale Kräfte und Mittel effizienter einsetzen und eine einheitliche, nachvollziehbare Dokumentation gewährleisten. Gleichzeitig stärkt die Einheit die Zusammenarbeit mit anderen Führungseinheiten.

Von der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit profitieren die Feuerwehren jedoch auch über den unmittelbaren Einsatzdienst hinaus. So konnten beispielsweise für die Heißübungsanlage weitere Personen aus der gemeinsamen Gruppe gewonnen werden. Dadurch wurden die bisherigen Betreuer aus Ettenheim entlastet. Die engere Zusammenarbeit fördert zudem den Austausch von Wissen und Erfahrungen und ermöglicht es, vorhandene personelle Ressourcen der vier Gemeinden gezielter einzusetzen. Mit der Inbetriebnahme des Führungstrupps ist ein wichtiger Schritt getan, um die interkommunale Zusammenarbeit weiter zu strukturieren und auf künftige Anforderungen auszurichten. Im Mittelpunkt steht dabei ein verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource Mensch: Ehrenamtliche Einsatzkräfte sollen durch klare Abläufe, sinnvolle Aufgabenverteilung und eine abgestimmte Führungsunterstützung bestmöglich entlastet werden.

Feuerwehrtrupp mit den vier Bürgermeistern
Bildquelle: Sandra Decoux
(Erstellt am 04. November 2026)