Ettenheimer Funkien - Tradition erhält internationale Aufmerksamkeit
Bildquelle: Stadt Ettenheim
Auch wenn momentan eher Tannengrün die Ettenheimer Innenstadt und die Ortschaften schmücken, werden spätestens im Frühjahr die grünblättrigen Funkien, botanisch als Hosta bezeichnet – wieder Eingänge, Innenhöfe und Gärten schmücken. Funkien gehören zu den beliebtesten Schattenstauden in deutschen Gärten, wo sie aufgrund ihrer Robustheit, ihrer attraktiven Blattstrukturen und ihrer langen Lebensdauer geschätzt werden. Die Herzlilie, wie die Funkien auch genannt werden ist, vertragen im eingewachsenen Stadium enorm viel Trockenheit und ist damit ideal für die Klimaanpassung. Dies gilt besonders für alle blau- und graublättrigen Sorten.
Die Ettenheimer Hostapflanzen – im Volksmund auch „Ettenheimer Spinat oder Herzlilie“ genannt – haben sogar internationale Würdigung erfahren: Werner Barkenmeyer, Biologe und ausgewiesener Kenner von Funkien und Taglilien, hat der außergewöhnlichen Funkien-Tradition der Stadt einen eigenen Bericht im britischen Journal der Hosta- und Hemerocallis-Gesellschaft gewidmet. Anlass genug, an eine grüne Besonderheit zu erinnern, die über Jahrzehnte das Stadtbild geprägt hat und die vom privaten Engagement der Menschen lebt. Bereits 2009 wurde Ettenheim und die damals noch stadtbildprägende Hostapflanzen in einer Gartenzeitschrift erwähnt.
Barkenmeyer hatte Kontakt mit Bauhofleiter Markus Ohnemus aufgenommen, der für den Fachbericht in engem Austausch mit dem langjährigen Leiter des Naturkundemuseums Flensburg stand. Dieser beschreibt Ettenheim im Journal als bemerkenswertes Beispiel dafür, wie eine Stadt durch die Initiative ihrer Bewohnerinnen und Bewohner ein einzigartiges, identitätsstiftendes Erscheinungsbild entwickeln kann. Denn die im Fachjournal gewürdigte Besonderheit Ettenheims lebt ganz wesentlich von den Menschen, die sich um diese langlebigen Pflanzen kümmern.
Doch die Anzahl der Pflanzen ist rückläufig, wie Bauhofleiter Markus Ohnemus berichtet. Viele der älteren Pflegenden seien verstorben oder körperlich nicht mehr in der Lage, sich um die Pflanzkübel zu kümmern. Für Nachkommen oder neue Hauseigentümer bedeutet die Übernahme oft zusätzlichen Aufwand – oder das Interesse fehlt. Dabei zählen Funkien zu den unkompliziertesten Kübelpflanzen überhaupt: Sie lassen sich problemlos im dunklen Keller überwintern, durch Teilung kostengünstig vermehren und haben über Jahrzehnte in Ettenheim für ein charakteristisches, grünes Straßenbild gesorgt. Früher trugen zudem natürliche Kellerböden zur besonders einfachen Überwinterung bei.
Wer vor seinem Haus oder im Garten Funkien pflanzen möchte, erhält verschiedene Sorten unter anderem in der Ettenheimer Baumschule Brossmer – entweder im Online-Shop (https://www.baumschule-brossmer.de/shop) oder in der Saison, ab März, vor Ort im Ettenheimer Pflanzencenter. Außerdem gibt es auch Funkienpflanzen zum Selbstkostenpreis, wenn sich der Bauhof im Rahmen der Ettenheimer Sommerakademie am 29. April 2026 vorstellt und die Teilnehmenden einen Blick hinter die Kulisse des Bauhofs werfen können.
Im Bericht wird auch die Rolle von Gartenbauarchitekt Eckhart Riedel hervorgehoben, der während der Innenstadt-Sanierung in den 2000er-Jahren bewusst an den Hostapflanzen festhielt. Die Menge an Funkien, wie er sie in Ettenheim vorfand, sei ihm in keiner anderen Stadt begegnet. Der Begriff „Ettenheimer Spinat“ geht ebenfalls auf den mittlerweile verstorbenen Gartenbauarchitekten zurück. Riedel, Initiator der berühmten Chrysanthema in Lahr und leidenschaftlicher Rosenkenner, prägte später mit großer Hingabe auch den Ettenheimer Prinzengarten.