Vom Plan zur Umsetzung: Ettenheim treibt die Wärmewende im Bundesprojekt KWIKK voran

Rund 80 interessierte Bürgerinnen und Bürger informierten sich bei zwei Veranstaltungen über Wärmepumpen-Eignungstests und die Zukunft der Fernwärme

Vortrag in Münchweier - Leinwand mit Publikum und Redner
Bildquelle: Stadt Ettenheim

Wie gelingt es, die kommunale Wärmeplanung vom strategischen Konzept in die konkrete Umsetzung zu bringen? Dieser Frage widmet sich die Stadt Ettenheim als eine von fünf Modellkommunen im bundesweiten Forschungsprojekt „KWIKK – Umsetzung kommunaler Wärmepläne in kleinen Kommunen“. Dass das Interesse an konkreten Lösungen groß ist, zeigten zwei Informationsveranstaltungen am 15. Oktober in Wallburg und am 20. Oktober in Münchweier: Rund 80 Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreterinnen und Vertreter regionaler Heizungs- und SHK-Betriebe kamen zusammen, um sich über die nächsten Schritte der Wärmewende vor Ort zu informieren und auszutauschen.

Für Ettenheim kommt das Projekt zur richtigen Zeit. Die strategischen Grundlagen der kommunalen Wärmeplanung sind bereits gelegt. Nun geht es darum, die darin entwickelten Perspektiven in die Praxis zu überführen. Mit der Fernwärme Ettenheim GmbH verfügt die Stadt bereits über ein bestehendes Fernwärmenetz, dessen Ausbau in weiteren Gebieten geplant ist. Gleichzeitig stehen viele Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer vor der Frage, welche klimafreundliche Heizlösung für ihr Gebäude geeignet ist. Gerade kleinere Kommunen stehen bei der Umsetzung ihrer Wärmepläne vor besonderen strukturellen und organisatorischen Herausforderungen. Hier setzt die Beteiligung Ettenheims an KWIKK an.

Wärmepumpen im Praxistest

Ein Schwerpunkt des Projekts in Ettenheim sind Wärmepumpen-Eignungstests, die über zwei Winter hinweg durchgeführt werden. Sie sollen Hauseigentümerinnen und Hauseigentümern eine erste Orientierung geben, ob ihr Gebäude für den Betrieb einer Wärmepumpe geeignet ist. Dabei wird im laufenden Heizbetrieb erprobt, ob das Haus auch mit einer niedrigeren Vorlauftemperatur ausreichend warm bleibt.

Das große Interesse an den Veranstaltungen machte deutlich: Viele Menschen sind grundsätzlich bereit, sich mit dem Umstieg auf eine Wärmepumpe auseinanderzusetzen. Was häufig noch fehlt, ist eine verlässliche Einschätzung für das eigene Gebäude.

Dabei wurde auch deutlich gemacht, dass ein Eignungstest keine fachgerechte Heizungsplanung ersetzt. Insbesondere eine raumweise Heizlastberechnung und der hydraulische Abgleich bleiben wichtige Voraussetzungen für die Auslegung und den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe. Sie müssen von qualifizierten Fachbetrieben durchgeführt werden und sind auch im Zusammenhang mit Förderbedingungen relevant.

Wie geht es mit dem Wärmenetz weiter?

Neben den individuellen Heizlösungen steht auch die Zukunft der Wärmeversorgung auf Quartiersebene im Fokus. In Kooperation mit der Fernwärme Ettenheim GmbH untersucht KWIKK, wie sich Wärmenetze entwickeln lassen und welche Betreiber- und Geschäftsmodelle für einen möglichen Ausbau infrage kommen können.

Damit greift das Projekt eine zentrale Frage der kommunalen Wärmewende auf: Welche Versorgungsoptionen sind vor Ort langfristig sinnvoll und wie lassen sie sich wirtschaftlich und organisatorisch umsetzen?

Orientierung und Verlässlichkeit sind entscheidend

In den Diskussionen zeigte sich, dass die größten Hürden für viele Interessierte weniger in der Technik als vielmehr in der Unsicherheit über die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen liegen. Fragen zum Gebäudeenergiegesetz, zu den Förderbedingungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und zur zukünftigen Entwicklung der Energiepreise beschäftigen viele Eigentümerinnen und Eigentümer.

Auch die Förderentwicklung spielt bei der Entscheidung für einen Heizungstausch eine Rolle. So wird der Klimageschwindigkeitsbonus der Bundesförderung zum 1. Februar 2027 von derzeit 16 auf 12 Prozent sinken. Gleichzeitig verändern sich durch die regulatorischen Rahmenbedingungen für Gasverteilnetze, insbesondere die Regelungen zur beschleunigten Abschreibung nach KANU, die wirtschaftlichen Perspektiven der Gasversorgung. Die daraus entstehenden Kosten können sich langfristig auf die Netzentgelte und damit auf die verbleibenden Gaskundinnen und Gaskunden auswirken.

Die Veranstaltungen machten deutlich, wie wichtig verständliche Informationen und verlässliche politische Rahmenbedingungen für Investitionsentscheidungen sind. Zugleich war der Austausch von einer pragmatischen und lösungsorientierten Atmosphäre geprägt. Im Mittelpunkt standen konkrete Fragen rund um das eigene Gebäude und mögliche nächste Schritte – weniger grundsätzliche Debatten über einzelne Technologien.

Gemeinsam die Wärmewende voranbringen

Die Wärmewende vor Ort scheitert selten am grundsätzlichen Willen, sondern häufig an fehlender Orientierung. Gute Daten, verlässliche Rahmenbedingungen und verständliche Informationsangebote sind deshalb entscheidende Voraussetzungen, um aus der Wärmeplanung konkrete Maßnahmen werden zu lassen.

Die Stadt Ettenheim bedankt sich bei Klimaschutzmanagerin Pia Böhmer und Bauamtsleiter Markus Schoor, bei Marc Stobbe, Benjamin Köhler, Barbara Breitschopf, Lioba Markl-Hummel von der Ortenauer Energieagentur GmbH und Noah Faller vom Elektrizitätswerk Mittelbaden AG & Co. KG sowie bei allen weiteren Beteiligten und Gästen für den engagierten Austausch.

Mitmachen beim Wärmepumpen-Eignungstest

Interessierte Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer in Ettenheim können sich weiterhin unverbindlich für die Teilnahme an den Wärmepumpen-Eignungstests anmelden. Der Start ist für Januar vorgesehen. Die Anmeldung ist über den QR-Code auf dem Informationsflyer oder über die städtische Homepage möglich. Für Rückfragen findet am 5. November um 18 Uhr ein Online-Informationstermin statt.

Außerdem steht Pia Böhmer gerne bei Fragen zur Verfügung (Tel. 07822 432 340).

Auch außerhalb Ettenheims gibt es ein hilfreiches Angebot zur ersten Einschätzung: Mit dem kostenlosen „Gebäudecheck Wärmepumpe“ des Umweltbundesamtes lässt sich raumweise prüfen, ob die vorhandenen Heizkörper voraussichtlich für den Betrieb einer Wärmepumpe ausreichen. Der Online-Check bietet eine erste Orientierung, ersetzt jedoch ebenfalls keine fachgerechte Heizungsplanung durch einen Fachbetrieb: Gebäudecheck Wärmepumpe

Das Forschungsprojekt KWIKK wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Gemeinsam mit dem Öko-Institut, dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) und dem Verein neuland21 begleitet das Projekt fünf kleine Kommunen über zweieinhalb Jahre dabei, ihre kommunalen Wärmepläne in konkrete Maßnahmen zu überführen.

Weitere Informationen zum Projekt KWIKK