Erstwähler-Workshop zur Landtagswahl Baden-Württemberg in Ettenheim
Mitreden. Mitdenken. Mitentscheiden.
Bildquelle: Stadt Ettenheim
Wie lässt sich politisches Interesse wecken, wie finden junge Menschen zu einer eigenen Haltung und wie können sie andere zum Mitmachen motivieren? Mit diesen zentralen Fragen setzten sich rund 50 Schülerinnen und Schüler der St. Landolin-Schule und des Städtischen Gymnasiums beim Erstwähler-Workshop zur Landtagswahl Baden-Württemberg am vergangenen Dienstag im Bürgersaal des Ettenheimer Rathauses auseinander.
Anlass des Workshops war die bevorstehende Landtagswahl am 8. März 2026, bei der Jugendliche ab 16 Jahren erstmals wahlberechtigt sind und zudem ein neues Wahlverfahren mit zwei Stimmen gilt. Die Stadt Ettenheim hatte, wie in den Vorjahren, gezielt junge Menschen eingeladen, um sie frühzeitig an demokratische Prozesse heranzuführen und sie zur Wahl zu motivieren. Dabei ging es nicht nur um die Vermittlung von Wissen zum Wahlverfahren, sondern auch um grundlegende Fragen der Meinungsbildung. Ein besonderes Anliegen war zudem die Stärkung der Selbstwirksamkeitserfahrung der Jugendlichen, also das Erleben, mit der eigenen Stimme tatsächlich etwas bewirken zu können.
Inhaltlich standen zentrale Themenfelder der Landespolitik wie Bildung, Umwelt- und Klimaschutz, Mobilität, Soziales, Sicherheit sowie Wohnen und Bauen im Mittelpunkt. Anhand von Bildern, kurzen Filmsequenzen und interaktiven Aufgaben arbeiteten die Teilnehmenden heraus, wie eng politische Entscheidungen mit ihrem persönlichen Lebensumfeld verknüpft sind. Bürgermeister Bruno Metz berichtete aus dem kommunalpolitischen Alltag und zeigte auf, wie sich Entscheidungen der Landespolitik konkret auf Städte und Gemeinden auswirken.
Anschließend vertieften die Jugendlichen die Inhalte an verschiedenen Thementischen. Sie setzten sich mit der Frage auseinander, welche Themen sie persönlich in Baden-Württemberg und in ihrer Region bewegen und was sie „der Politik“ schon immer einmal sagen wollten. Zudem beschäftigten sie sich intensiv mit dem Zusammenspiel der politischen Ebenen von Stadt, Land, Bund und Europa sowie mit ihren eigenen Vorstellungen eines jugendgerechten Baden-Württembergs. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Meinungsbildung durch Social Media, bei der die Teilnehmenden ihren eigenen Medienkonsum reflektierten, über Chancen und Risiken digitaler Plattformen diskutierten und sich kritisch mit dem Einfluss von Künstlicher Intelligenz auseinandersetzten. Außerdem hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, den Wahl-O-Mat praktisch auszuprobieren. Dabei testeten sie, wie das Online-Tool funktioniert, verglichen ihre Ergebnisse und diskutierten, inwiefern der Wahl-O-Mat dabei helfen kann, sich im Parteienangebot besser zu orientieren, eigene Positionen zu reflektieren und politische Standpunkte kritisch zu hinterfragen.
Lebhafte Debatten prägten auch die Diskussionsrunden, in denen sowohl kommunale als auch landespolitische Themen aufgegriffen wurden. Die Jugendlichen nutzten die Gelegenheit, kritisch nachzufragen, eigene Standpunkte einzubringen und politische Zusammenhänge besser zu verstehen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle der Jugendlichen als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. In Arbeitsgruppen entwickelten sie Ideen, wie sie Mitschülerinnen und Mitschüler für politische Themen und insbesondere für die Teilnahme an der Landtagswahl begeistern können. Dabei wurden wichtige Moderationskompetenzen wie Selbstbewusstsein, Kreativität, Zuhörfähigkeit, klare Struktur und spontane Reaktionsfähigkeit herausgearbeitet.
Das Feedback der Teilnehmenden fiel durchweg sehr positiv aus: Der Workshop wurde als informativ, spannend, lehrreich und motivierend beschrieben. Viele betonten, dass sie sich nun sicherer fühlten, ihre eigene Meinung zu bilden und politische Entscheidungen besser einordnen zu können.
Moderiert wurde der rund vierstündige Workshop von Udo Wenzl, Kommunalberater für Jugendbeteiligung. Er wurde dabei von Leonie Schillinger, Masterstudentin politische Kommunikation unterstützt. Auch Ettenheims Jugendbeauftragter Philip Gedemer und Verwaltungspraktikantin Magda Thoma nahmen am Workshop teil. Organisatorisch vorbereitet wurde die Veranstaltung von Heike Schillinger.
Zum Abschluss des Workshops hatten die Schülerinnen und Schüler in einer Diskussionsrunde nochmals die Gelegenheit, mit Bürgermeister Bruno Metz direkt ins Gespräch zu kommen, ihm gezielt Fragen zu stellen und aktuelle kommunal- und landespolitische Themen offen zu diskutieren.
Der Erstwähler-Workshop machte eindrucksvoll deutlich, wie groß das Interesse junger Menschen an politischen Themen ist, wenn sie aktiv beteiligt werden. Die Jugendlichen gingen nicht nur mit fundiertem Wissen, sondern auch mit gestärktem Selbstbewusstsein und neuen Impulsen nach Hause - bereit, Politik in ihren Schulen weiter ins Gespräch zu bringen und andere zur Teilnahme an der Landtagswahl zu ermutigen.