Gutenbergstraße

Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg. Erfinder der Druckerpresse sowie des modernen Buchdrucks mit beweglichen Lettern.

Anfang des Buchs Genesis in der Gutenberg-Bibel der Staatsbibliothek Berlin Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gutenberg_Bible_B42_Genesis.JPG

Wenn diese Straße in den „Radackern“

den Namen von Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, trägt, dann erschließt sich das so recht erst im Zusammenhang mit andern Namensgebern hier in diesem Gewerbegebiet. Der um 1400 in Mainz geborene und 1468 ebenda verstorbene Gutenberg gilt ja als Erfinder der Druckerpresse sowie des modernen Buchdrucks mit beweglichen Lettern.

Druckereien und bedeutende Drucker gab und gibt es in Ettenheim seit 1872 bis heute. In der Innenstadt, gegenüber dem Nepomukbrunnen, war die 1872 gegründete Druckerei Leibold angesiedelt, der in den „Radackern“ eine Straße gewidmet ist (Leiboldstraße). Fast nahtlos ging diese Druckerei kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs in die von Franz-Xaver Stückle gegründete Druckerei über: erst im Unteren Stadttor angesiedelt, später in der Friedrichstraße 37 in den Räumen der Leibold-Druckerei, ab 1951 dann in der Schwarzwaldstraße 2, ab 1991 schließlich im damaligen Kreuzerweg, heute Stückle-Straße .

Und dann gibt es da noch Heinrich Knoblochtzer, einen aus Ettenheim stammenden Frühdrucker (man vermutet sein Geburtsjahr anno 1445), der zu den herausragenden Druckern des letzten Viertel des 15. Jahrhunderts zählt, der Gutenbergs Drucktechnik engagiert und mutig aufgriff, in Straßburg und Heidelberg wirkte und die vielbeachtete „Knoblochtzer-Bibel“ schuf (1478 in Straßburg gedruckt). Der Historische Verein Ettenheim konnte 2001 dank einer bemerkenswerten Spende des Ettenheimer Ehrenbürgers Erich Winefeld (Winefeldstraße) zwei kostbare Original-Frühdrucke  Knoblochtzers, der eine Band aus einer Bibliothek in Los Angeles in den USA, der andere aus einem Antiquariat in Norddeutschland, erwerben und seither im Museum der Stadt ausstellen. Die beiden Bände beinhalten Sonntagspredigten des österreichischen Theologen Thomas Ebendorfer über die Briefe des Apostels Paulus – in lateinischer Sprache.

Man mag sich vergegenwärtigen: Die beiden Bücher weit über 500 Jahre alt, 1478 gedruckt – das bedeutet: Kolumbus hatte zu jener Zeit Amerika noch nicht entdeckt (1492), der Chor des Freiburger Münsters war noch nicht fertig (1513 eingeweiht), Ettenheim hatte die Zerstörung des mittelalterlichen Stadtbildes im Dreißigjährigen Krieg (1637) noch nicht erfahren müssen.

Leider, möchte man sagen, hat die Stadt eine bereits nach Knoblochtzer benannte Straße hier in den „Radackern“ zu einem späteren Zeitpunkt wieder umbenannt.

Quelle u.a. Bernhard Uttenweiler, Ansprache anlässlich der Übergabe des zweibändigen Inkunabeldruckwerkes von 1478 an die Stadt Ettenheim am 10. Dezember 2001 (nachzulesen in der Historischen Datenbank Dr. Jörg Sieger)