Am Bahndamm

Ehemals Teilstrecke des „Äddemer Bähnle“ (1893 – 1966)

Blick Richtung „Am Bahndamm“. Das Bähnle, spöttisch oft als „Entenköpfer“ bezeichnet, wäre hier eher ein Hühnerköpfer
Foto: Bilderarchiv Uttenweiler (ohne Jahresangabe)

Bimbam – bimbam – Huuup

Wer wie ich nur durch (Etten)Bach und (Rhein)Straße getrennt auf der Höhe des früheren Bahnhofgeländes vom Ettenheimer Bähnle aufgewachsen ist, bei dem weckt das Befahren der Straße „Am Bahndamm“ unwillkürlich Bilder und Geräusche aus dem kindlichen Alltag, zu dem das Bähnle untrennbar dazu gehörte. Und selbst bei inzwischen ganz hochbetagten Mitbewohnern, die sich ansonsten nicht mehr allzu sehr auf ihr Gedächtnis verlassen können, löst die Erwähnung des Bähnle die spontane Reaktion „Bimbam – bimbam – Huuup“ aus.

Ja, genauso nämlich machte der Lokführer mit seiner handbetätigten Glocke und dem ebenso unüberhörbaren Dampfausstoß kurz vor der Überquerung des nur mit einem Andreas-Kreuz bestückten, unbeschrankten Bahnübergangs über den Ziegelweg auf den nahenden Zug aufmerksam. Er mahnte damit Fuhrwerke, Zwei- und Vierradfahrzeuge sowie Fußgänger zur Vorsicht. Bimbam – bimbam – Huup – uns Kinder faszinierte diese Eisenbahn und es zählte für uns zu den besonderen Höhepunkten, wenn wir mit den Erwachsenen am Bahnhof in der Bahnhofstraße den Zug besteigen und auf den Holzbänken im Waggon-Innern oder auf den überdachten Freiflächen am Wagenende eine Fahrt nach Osten oder Westen antreten durften. Bei jeder Querung einer Straße… Sie wissen schon: Bimbam – bimbam – Huup.

Es ehrt unsere „Stadtväter“, dass sie dieser Erschließungsstraße ins Gewerbegebiet westlich der Stadt den Namen „Am Bahndamm“ gaben. Völlig zu Recht: denn genau da, wo heute die Straße verläuft, da war früher der „Bahndamm“, da verliefen die Schienen Richtung Westen. „Ehrenwert“ darf die Würdigung der Straßenbezeichnung deswegen genannt werden, weil dadurch dem langjährigen Ringen der Altvorderen um eine Eisenbahnlinie Wertschätzung erwiesen wird. Von einer Bahnlinie erhoffte man sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die industrielle Entwicklung der Ettenheimer Raumschaft zu fördern und Ettenheim und Nachbarn zudem über die 1873 errichtete Rheinbrücke bei Kappel an die Straßburger Raumschaft anzuschließen. Schließlich war Ettenheims Geschichte untrennbar mit Straßburg und seinen Fürstbischöfen verknüpft. 1893 war es dann soweit – die Bahnlinie wurde in Betrieb genommen – und 1966 dann stillgelegt.

Klaus Schade, Jahrgang 1948

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