J.-C.-Machleid-Weg

Joann Conrad Machleid, 1708 – 1794, Chirurg und Chronist in Ettenheim

 

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Über 1000 Seiten Tagebuch

Irgendwie faszinierend. Immer wieder gab und gibt es – bis zum heutigen Tag – in Ettenheim Menschen, die die Geschichte der Stadt niederschrieben und erforschten. Einer dieser Menschen war Joann Conrad Machleid. Als 27-jähriger kam er – in Villingen geboren und im Kloster St. Blasien in der Chirurgie ausgebildet – 1735 als Arzt nach Ettenheim und notierte von 1755 bis zu seinem Tod 1794, also 39 Jahre lang, schier alles, was sich in dieser zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ereignete, Alltägliches wie Weltbewegendes. Und weil ihn Ettenheims Geschichte ganz offensichtlich in ihren Bann zog, baute er in seine „Diarien“ auch Erzählungen alter Ettenheimer ein, zurückgehend teilweise bis ins 16. Jahrhundert. Somit ist Wissen aus Ettenheims Stadtgeschichte festgehalten, das ohne Machleids Chronik sicher verloren gegangen wäre. Am Ende seines Lebens stehen zwei riesige handgeschriebene Tagebücher mit sage und schreibe 1 144 Seiten.

18. Jahrhundert: eine bewegte Zeit in Ettenheim wie in der Welt. Man erinnert sich: Französische Revolution, in deren Folge Adlige und der letzte Straßburger Fürstbischof, Kardinal Rohan (Stichwort: Ettenheim als „Rohanstadt“) nach Ettenheim kamen. In Machleids Chronik erfährt man viele Details zum Bau der neuen Kirche oben auf dem Berg (1768-1782), zum Neubau des 1757 fertiggestellten Rathauses ebenso.

Machleid war in Ettenheim schnell eine geachtete Persönlichkeit, erwarb schon im Jahr seiner Ankunft das Bürgerrecht und bekleidete zahlreiche Ämter, unter anderem als Ratsherr, Meister der Handwerkszunft und Präfekt der Sebastianus-Bruderschaft. Bezüglich seiner chirurgischen Tätigkeiten hielt sich der Chronist bedeckt. Allenfalls über seine Anmerkungen bezüglich der Todesdaten verstorbener Ettenheimer bekommt man einen Einblick über damals übliche Krankheiten wie Syphilis, Hauttuberkulose, Brustkrebs, Wundbrand, Epilepsie, Blutsturz oder Gallenfieber. Eindeutig weisen seine Ausführungen auch darauf hin, dass er neben seiner Chirurgen-Profession mit seiner Familie auch Landwirtschaft betrieb.

Dass Joann Conrad Machleid 1735 als Chirurg nach Ettenheim kam – ein Glücksfall für die Ettenheimer Geschichtsforschung.

Quellen: Datenbank Dr. Jörg Sieger; darin Aufsätze von Dr. Franz Michael Hecht, Bernhard Uttenweiler, Dr. Robert Furtwängler.
Bei der Turmstraße und Schuhmachergasse finden sich Zitate aus Machleids Tagebuch.

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