Ettenheimmünster

Der Ortsteil Ettenheimmünster, landschaftlich reizvoll im oberen Münstertal gelegen, war über tausend Jahre lang, vom Anfang des 8. Jahrhunderts bis zur Säkularisation im Jahre 1803, geprägt von der Benediktinerabtei Ettenheimmünster.

Der Hl. Landelin, ein iro-schottischer Mönch, erlitt um 640 an der Stelle der heutigen Landeslinsquelle sein Martyrium. Erste Ansiedlungen von Einsiedlern und Mönchen waren nicht von Dauer.

Bischof Etto gilt als der zweite Gründer des Klosters (nach 734) und war hier begraben. In einem eine Strecke talaufwärts vom Ortsmittelpunkt bei der Kirche gelegenen, noch mauerumgebenen Areal (beim Altenheim St. Marien) stand die stattliche von Peter Thumb 1719-34 erbaute barocke Klosteranlage, die in den Jahren 1826-66 einem sinnlosen Abbruch zum Opfer fiel.

Die jetzige Pfarrkirche ist die St. Landelin geweihte alte Wallfahrtskirche des Klosters Ettenheimmünster. Sie wurde am legendären Ort des Martyriums und der dort entsprungenen Quellen unter Abt Maurus Geiger 1687 und 1698/99 von dem Graubündner Meister Johannes Regutz erbaut.

Eingreifender Umbau 1764/65 durch Franz Joseph Salzmann unter Abt Augustin Domblüeth. Der Turmaufbau ist von 1855/56 (v. Friedrich Fischer).

St. Landelin zählt zu den schönsten Barockkirchen am Oberrhein und birgt wertvolle Kunstschätze, so eine prachtvolle spätgotische silberne Landelinsbüste (1506), die die Schädelreliquie des Heiligen verwahrt und Ende September bei der jährlichen Landelinsprozession mitgeführt wird, ferner eine Silbermannorgel von 1769, die ebenso wie das schöne Chorgitter aus der ehemaligen Klosterkirche stammt. Anton Morath schuf das Hochaltargemälde und die Deckenfresken mit der Landelinslegende. Der plastische Außenschmuck der Kirche, die Altäre und die vier barocken Beichtstühle sind von dem Klosterbildhauer.

Egidi Butsch (1725-85) geschaffen. Von seinem Vorgänger Paul Schramm sind die Statuen Petri und Pauli auf dem Hochaltar (1741). Die sechs hinteren Beichtstühle sind unter Abt P.Vogler (1704-10) entstanden.

Das heutige Pfarrhaus (seit 1804) gegenüber der Kirche wurde im Jahre 1790 als "Physikatshaus" für den Klosterarzt erbaut. Die benachbarte Psycho-Soziale-Klinik war das Bad- und Gästehaus der Abtei, unter Abt Fr. Hertenstein um 1684 erbaut und von Abt J. B. Eck nach 1720 durch einen erweiterten Neubau ersetzt. - Der Alte Friedhof oberhalb des Pfarrhauses birgt in der neugotischen Grabkapelle St. Arbogast die Überreste der Äbte und Mönche der Benediktinerabtei. - In der neuen Friedhofshalle steht eine große Pieta (1764) von E. Butsch.

Geschichtlicher Überblick

Der Ort Ettenheimmünster verdankt seinen Namen und seine Entstehung der ehemaligen Benediktinerabtei Ettenheimmünster. Die frühesten noch sichtbaren Zeichen einer Besiedlung des Münstertals sind Überreste der beiden vermutlich keltischen Fliehburgen Gisenburg und Heidenkeller auf der Südseite des Tals.

Um 640 Martyrium des Hl. Landelin, eines iro-schottischen Missionars.
Um 725 vereinigte Bischof Widegern die Einsiedler die sich um das Grab des Heiligen niedergelassen haben in einem kleinen Kloster, der "Cella Monachorum" im heutigen Münchweier.
Nach 734 Bischof Etto erneuerte das Kloster, führte die Regeln des Hl. Benedikt ein und überließ ihm 762 in seinem Testament zahlreiche Güter zum Unterhalt von 30 Mönchen.
8. Jahrh. Herzog Ruthard schenkt dem Kloster die Mark Ettenheim.
Um 800 Im Reichenauer Verbrüderungsbuch werden die Namen der Mönche des Klosters "Etinheim" aufgelistet (älteste Originalurkunde).
1226 Bestätigt Papst Honorius III. die Rechte und Besitztümer des Klosters "Ethinheim" und stellt es unter seinen Schutz.
1417 Kaiser Sigismund und seine Nachfolger bestätigen die Rechte des Klosters.
Feuersbrünste, Plünderungen, Ausbeutung durch weltliche und geistliche Machthaber und Kriegswirren machten die Geschichte des Klosters zu einem ständigen Existenzkampf.
1687-89 und 1698/99 Abt Maurus Geiger (1686 - 1704) lässt durch Meister Regutz die neue Wallfahrtskirche errichten. 1764/65 erhält die Kirche ihr heutiges Aussehen durch den Einbau des Querschiffes. Der Kirchturm wird 1855-57 angebaut.
1719-34 Klosterneubau durch den vorarlbergischen Baumeister Peter Thumb, unter Abt Johann Baptist Eck (1710 - 1740).
1754 1. Auflage der Ettenheimmünsterischen Bibelübersetzung.
Um 1770 Abt Augustin Dornblüt (1740 - 1774) erbaute eine Orangerie für Konzerte.
1803 wird das Kloster vom badischen Staat aufgehoben (Säkularisation). Nach über 1000 Jahren verschwand ein Mittelpunkt des religiösen Lebens.
19. Jahrh. Das Klostergebäude und die Klosterkirche wurden zu weltlichen Dingen genutzt und schließlich abgebrochen.

Aus der Klosterkirche wurden rechtzeitig wertvolle Ausstattungsgegenstände in die heutige Pfarr- und Wallfahrtskirche versetzt. Darunter waren die Landelinsbüste, eine Silberschmiedearbeit von 1506 und die bekannte Silbermannorgel, sie wurde 1769 von Johann Andreas Silbermann geschaffen und gilt als besterhaltenes Werk diesseits des Rheins.

Um 1900 Das "Bad Ettenheimmünster" floriert.
1925 wird das neue "Kurhaus" eröffnet, das heutige "Alten- und Pflegeheim St. Marien"
01.12.1971 erfolgte die Eingliederung in die Stadt Ettenheim.