Stückle-Straße

Druckerei seit 1938; Gründer: Franz-Xaver Stückle (1910-1998); 1991 Ansiedlung des Druckhauses in den Radackern

Bild: Leibold übergibt an Stückle. Auszug aus der Titelseite der Ettenheimer Zeitung vom 30.1.1941
Bildbearbeitung: Verena Hassler

Drucker-Dynastie

Als junger Bursche wollte er eigentlich nach Südafrika auswandern. Dann aber entdeckte der junge Franz Xaver Stückle  seine Faszination für die Arbeit der Schriftsetzer und Buchdrucker. Um ein Bein in die damals bestehende Druckerei Leibold in der Friedrichstraße 37 zu bekommen, betätigte sich Franz Xaver schon mit 10 Jahren als Austräger der „Ettenheimer Zeitung“.

Die Strategie des jungen Franz Xaver jedenfalls ging auf. Er konnte bei der Druckerei Leibold eine Lehre als Schriftsetzer und Buchdrucker beginnen – und abschließen. Er studierte an der Fachhochschule in München, die er als Buchdruckermeister abschloss. Weitere Erfahrungsstationen waren Berlin, Heidelberg, Frankfurt.

Zurück in Ettenheim gründete der damals 28jährige im „Unteren Tor“ (Stadttor) eine eigene Druckerei, die er indes wieder schließen musste, als er zur Wehrmacht eingezogen wurde. Bei einem kurzen Heimurlaub übernahm Stückle im Jahr 1941 die Druckerei seines Lehrherrn Leibold, die dieser zunächst weiterführte, weil der junge Stückle erneut zur Wehrmacht musste.

Weil es in den Räumen in der Friedrichstraße für die aufstrebende Druckerei zu eng wurde, siedelte die Druckerei Stückle 1951 in die Schwarzwaldstraße 2 um, ehe sie sich dann 1991 als erster Betrieb in den „Radackern II“ (anfängliche Anschrift: Kreuzerweg 21; ab 1999 dann Stückle-Straße) niederließ. Inzwischen wird das Druckhaus in 3. Stückle-Generation geführt. Nach Gründer F.X. Stückle übernahm sein Sohn Edgar die Regie (1983 – 2019), danach dann Enkel Jan (seit 2019).

Dass Druck und Verlag Stückle zu allen Zeiten sehr gefragt waren, darf der Aufgeschlossenheit für technische Neuerungen in diesem Metier sowohl Franz Xaver wie seinem Sohn Edgar und Enkel Jan zugeschrieben werden. So lässt sich die Entwicklung vom Bleisatz über den Offset-Druck und Fotosatz  bis zum Digitaldruck im Hause Stücke gut nachverfolgen. Über 100 Lehrlinge bildete F.X. aus. In manchen Zeiten zählte der Betrieb bis 100 Beschäftigte.

Ettenheim und das Umland waren Franz Xaver ein Herzensanliegen, wie sich beispielhaft an einigen Druckerzeugnissen nachvollziehen lässt: Nach dem Krieg: Gründung eines Verkündigungsblattes , das zum Grundstock des späteren „Ettenheimer Heimatbote(n)“ wurde (bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts eine der kleinsten Tageszeitungen mit eigener Redaktion; 1977 an den Badischen Verlag verkauft). 1968: Mit weiteren kleinen Verlagen zusammen Anzeigengemeinschaft (hier: Ettenheimer Stadtanzeiger/Von Haus zu Haus; erscheint seit 2003 bei der WZO). Die Stückles gelten seit eh und je als große Förderer der heimischen Vereine. Franz Xaver war Initiator der Ettenheimer Werbegemeinschaft (heute: Unternehmen Ettenheim).

Zu Druckerzeugnissen der besonderen Art zählen u.a. nach dem Krieg Briefmarken, seit langer Zeit die Fahrpläne regionaler Verkehrsverbünde, verschiedenste Formulare und Dienstleistungen für andere Druckereien. Heute: über 100 Titel an Zeitschriften in alle Länder der Welt;  jährlich 600.000 Bücher.

Wenn die korrekte Schreibweise auch Stücklestraße lauten müsste: dass Gründer und Folgegenerationen der Stückles mit dieser Straßenbenennung eine verdiente Würdigung erfahren, ist unstrittig.

Quellen:
Historische Datenbank Dr. Jörg Sieger; schriftliche und mündliche Informationen von Herbert Birkle, jahrzehntelang Prokurist im Hause Stückle

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