Im Brünnelinsgraben

Wo einst ein Wassergraben Ettenheim und Altdorf trennte

Ibers Bängili hopse“

Friedlich liegen sie da, die Straßenzüge „Im Brünnelinsgraben“, die nach einem früheren kleinen Wasserlauf benannt sind, der sich ein Stück weit hangwärts entlang der heutigen Kreisstraße, der Verbindungsstraße zwischen Ettenheim und Altdorf, zog und sein Wasser dann schließlich – ziemlich exakt auf Höhe des nördlichsten Teilstücks der Straßen hier Im Brünnelinsgraben - nach Westen ableitete. Das Wasser? Es kam wohl als Bergwasser aus dem Blumenberg an die Oberfläche und füllte mal mehr, mal weniger den Brünnelinsgraben.

So unspektakulär das kleine, natürliche Rinnsal an sich war: die jungen Burschen aus Ettenheim hatten früher riesigen Respekt vor dem Gräble  - mehr war’s ja nicht – bedeutete es doch zugleich die Dorfgrenze des früher ja noch selbständigen Altdorf. Eine Grenzlinie, für die der Begriff Demarkationslinie unangebracht wäre, weil mit ihm üblicherweise ein vereinbarter Waffenstillstand verbunden ist. Die heutige Großväter-Generation aus Ettenheim nämlich lauschte als Kinder ihren Großvätern immer mit aufgerissenem Mund, wenn ihnen diese schilderten, wie sie dort, am Brünnelinsgraben eben, stets „ibers Bängili hopse“ mussten, wollten sie als junge Burschen einer adretten jungen Maid aus Altdorf – die muss es demnach wohl damals schon gegeben haben! – ihre Aufwartung machen wollten. Die Altdorfer Burschen schienen das ganz offensichtlich nicht so toll zu finden, versuchten mit diesem Spießrutenlauf den Ettenheimer Kontrahenten schon vorzeitig die Lust am Abenteuer zu vergällen.

Wie hoch die Erfolgsquote der Altdorfer Bursch’n dabei war, ist amtlich nirgends verbrieft. Und spätestens, als Altdorf dann im Jahr 1975 als Stadtteil von Ettenheim eingemeindet wurde (als letzter der insgesamt fünf allerdings!), war das Thema ebenso verschwunden wie inzwischen auch der Wasserlauf. Und so liegen heute die Straßenläufe „Im Brünnelinsgraben“ ebenso friedlich nebeneinander, wie des dort die Bewohner tun. Baulich sind die Kernstadt und der Ortsteil Altdorf inzwischen längst miteinander verwachsen, ist bisweilen schwerlich auszumachen, ob man sich noch in Ettenheim oder schon in Altdorf bewegt. Von „Bängili-Hopse“ keine Spur mehr.

Die heutige Großeltern-Generation wird es der eigenen Enkel-Generation noch weitererzählen müssen, um die „dramatische Bedeutung“ des Brünnelinsgraben in früherer Zeit noch lange im Bewusstsein zu behalten.

Zu den andere "Bachstraßen" siehe Im Osterbach

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