Hansjakobstraße

Heinrich Hansjakob, 1837 – 1916, kath. Priester, Politiker, Historiker und Schriftsteller

Haslach im Kinzigtal, Denkmal für Heinrich Hansjakob (Armin Göhringer, 1987)
Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Haslach_Hansjakob-Denkmal_01.jpg

Umstritten

Laut Internet (2019) tragen 95 Plätze und Straßen den Namen Hansjakob. Man findet sie vorwiegend am Bodensee, im Mittleren Schwarzwald und im Bereich Oberrhein. Und man kann sie lesen als Spuren seines Lebens.

Geboren wurde Heinrich Hansjakob 1837 in Haslach/Kinzigtal. Von 1869-1883 war er als Pfarrer in Hagnau am Bodensee tätig. Hier schrieb er Weinbaugeschichte durch die Gründung des Hagnauer Winzervereins, der ersten Winzergenossenschaft in Baden.

Von 1871-1881 saß er als Abgeordneter für die katholische Volkspartei in der II. Kammer des Badischen Landtages. Durch seine republikanische, sozialkritische Einstellung handelte er sich viel Ärger ein, überwarf sich mit seiner Partei und musste sogar zweimal ins Gefängnis. Gerne inszenierte er sich als Rebell – kein Bild von ihm, auf dem er nicht den Heckerhut trägt, das Symbol der 48er Revolutionäre.

Als Schriftsteller war für ihn der Schwarzwald, dessen Bewohner und dessen Geschichte das große Thema. Als Chronist seiner Heimat hat er sich einen Namen gemacht. In seinem Tagebuch von 1912 "Allerseelentag" beschreibt er auch einen kurzen Besuch in Ettenheim.

Doch Hansjakob hat auch seine Schattenseiten. Obwohl als Priester dem Zölibat verpflichtet, zeugte er mindestens drei Kinder. Seine männlichen Nachkommen unterstützte er und finanzierte ihnen die Ausbildung. Um das eine Mädchen soll er sich nie gekümmert haben.

Auch in seinen Schriften kann man frauenfeindliche Einstellungen finden.

Diese Tatsache, wie auch deutlich antisemitische Tendenzen in seinem Werk, machten ihn in jüngster Zeit immer mehr zu einer umstrittenen Persönlichkeit.

2012 wurde von der Stadt Freiburg eine Kommission zur Überprüfung der  Straßennamen eingesetzt. Dabei kam auch die dortige Hansjakobstraße ins Visier.

Im Abschlussbericht der Experten wurde 2016 die Umbenennung von 12 Straßen vorgeschlagen. Die Hansjakobstraße war nicht dabei. Hier hielt man die Anbringung einer Zusatzinformation beim Straßenschild für ausreichend. Was allerdings bis heute (2019) noch nicht geschah.

Quellen:
https://www.zeit.de/interactive/strassennamen/#/?suche=hansjakob
https://www.heinrich-hansjakob-gesellschaft.com/
https://www.badische-zeitung.de/freiburg/zwoelf-freiburger-strassen-sollen-umbenannt-werden--128297680.html
https://www.badische-zeitung.de/freiburg/war-heinrich-hansjakob-ein-antisemit--115104381.html

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