„Natur nah dran“-Projekt: zum Nachahmung empfohlen - Stadt- und Gemeindegärtner des Ortenaukreises in Ettenheim

12. Juli 2019

Zur diesjährigen Lehrfahrt lud das Landratsamt Ortenaukreis die Stadt- und Gemeindegärtner des Landkreises am Dienstag dieser Woche morgens in die Gärtnerei des Europaparks, nachmittags nach Ettenheim ein, wo Bauhofleiter Markus Ohnemus den über 50 Teilnehmern die vor einem Jahr angelegten „Natur nah dran“-Beete vorstellte.

An mehreren Stellwänden hatten die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs Info- und Anschauungsmaterial angeheftet, die das Interesse der Gärtnerkollegen aus dem ganzen Ortenaukreis fanden. Dass Ettenheim in das große NABU-Projekt samt Förderung aufgenommen wurde, führte Markus Ohnemus in seiner Einleitung auch darauf zurück, dass Ettenheim bereits früher beim NABU-Projekt „Siedlungsgrün“ mit dabei war und damals Initiativen entwickelte, dass beispielsweise auch große Betriebe ihre Grünflächen von Rasen in Blumenwiesen umwandelten. Ohnemus, selbst gelernter Gärtner, umriss Ettenheims Aktivitäten in gärtnerischen Angelegenheiten, sprach die 120 Blumenkübel in der Innenstadt, die teilweise auch verkehrsregelnde Funktion einnehmen (Stichwort: Parken), ebenso an wie den 25 Kilometer langen Naturerlebnisweg.

Jede Fläche individuell bestückt

2018 sei man dann in das NABU-Förderprogramm „Natur nah dran“ eingestiegen. Auf großes Interesse bei seinen Zuhörern stieß seine Schilderung, wie auf den inzwischen neun derart gestalteten Flächen – weitere sollen folgen – der Oberboden zuerst bis in eine Tiefe von 25 Zentimetern entfernt und danach die Fläche mit Rheinkies oder verschiedenen Schottern oder mit Sand, je nach Standort, wieder aufgefüllt wurde. Darüber habe man dann eine zwei- bis drei Zentimeter dick gütegesicherten Kompost oder Humus aufgetragen und wenige Zentimeter tief mit dem Krail eingearbeitet. Für jede „Natur nah dran“-Fläche in Ettenheim habe der Naturgartenplaner Reinhard Witt sowohl den Untergrund wie danach auch die Strukturpflanzen – sie mussten von Hand eingesetzt werden, eine Pflanzen pro Quadratmeter – und die beigemengte Aussaat festgelegt. Jede Fläche habe somit ihre individuelle Pflanzenmischung. Jede biete ganz speziellen Insekten ihr geeignetes Habitat, was der Bauhof mit Insektenhotels ergänzt hat. Ohnemus: „Die Hotels waren sehr schnell besiedelt. Wir sehen immer wieder neue, ganz seltene Insekten, die teilweise vom Aussterben bedroht waren.“

Ohnemus verhehlte auch nicht die anfängliche Verunsicherung in der Bevölkerung. Dass man frühere Grünflächen vorübergehend in „Steinwüsten“ umwandeln musste, was ja in privaten Gartenbereichen so verpönt sei, habe sich dem Betrachter anfänglich schwer erschlossen. Längst aber erfreue sich die Bevölkerung an den blühenden, vielfältigen, artenreichen „Natur nah dran“-Flächen, die alle zwei, drei Wochen ihr „Kleid“ verändern.

Metz: „Wir alle sind begeistert“

Diese Freude bestätigte auch Bürgermeister Bruno Metz, der es sich nicht nehmen ließ, die Stadt- und Gemeindegärtner beim Vereinshaus – auch dort ist eine entsprechende Fläche „naturnah“ angelegt – zu begrüßen. Metz zeigte sich erfreut, dass Ettenheim die Chance hatte, in dieses Förderprogramm des Landes einzusteigen. „Wir alle sind von diesen Flächen begeistert“, so der Rathauschef, der als erfreulichen Begleitaspekt erwähnte, dass der Bauhof, nachdem er im Juli vergangenen Jahres die Flächen mit viel Aufwand angelegt habe, nunmehr übers Jahr weniger Arbeitswand an diesen Flächen investieren müsse. Die optischen Reize der stets sich verändernden Flächen und ein wahres Paradies für die Insekten – all das sei einfach begeisternd. Auch der Gemeinderat stehe voll und ganz hinter diesem Programm, gab Metz den Gärtnern als Botschaft mit auf den Heimweg.

An den weiteren Stationen beantworteten Ohnemus und seine Mitarbeiter vom Bauhof eine Vielzahl der gestellten Fragen. Eindruck schaffte vor allem die Aussage, dass diese Flächen nur einmal im Jahr gemäht werden müssen – Ohnemus: „Um den Insekten ihr Winterquartier zu belassen, erst nach dem Winter“ – und die Strukturpflanzen samt der eingebrachten Saatmischung eine nachhaltige Lebensdauer von zwölf bis 15 Jahren aufweisen.

Text: Klaus Schade