Größte solarthermische Anlage in Südbaden fertig gestellt und in Betrieb genommen

14. Oktober 2020

Auf dem Gelände der Heimschule St. Landolin und einer angrenzenden Freifläche entstand in den letzten Monaten in Ettenheim eine der größten, solarthermischen Anlagen der Region. Bauherr und Betreiber der Anlage ist die Fernwärme Ettenheim GmbH, die seit 2000 das Nahwärmenetz für das Quartier am Ettenbach in Ettenheim betreibt.

Im Rahmen eines Vororttermins wurde die Anlage nun dieser Tage offiziell in Betrieb genommen. Bruno Metz, Bürgermeister von Ettenheim, Eberhard Pfister, Direktor der Heimschule St. Landolin, Dietfried Scherer, Direktor der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg und die Geschäftsführung der Fernwärme Ettenheim GmbH, Ralph Schwörer, Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg, Peter Blaser, ratio energie GmbH, Lörrach und Isabel Obergföll, Stadt Ettenheim, stellten die Anlage zur Nutzung erneuerbarer Energie vor.

Die Fernwärme Ettenheim GmbH errichtete östlich des Heimschulareals auf dem Myßberg eine rund 1.800 Quadratmeter große Sonnenkollektorfläche. Mit der neuen Anlage und der schon seit ca. zwei Jahrzehnten bestehenden Holzhackschnitzelheizung soll in Zukunft die Wärmeversorgung der Heimschule St. Landolin, des angrenzenden Wohngebiets „Quartier am Ettenbach“ und weiterer Gebäude entlang der Otto-Stoelker-Straße nahezu CO2-neutral erbracht werden. Mit der Solaranlage können gegenüber dem bisherigen Zustand zusätzliche 135 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr eingespart werden.

Angesichts des Leitbildes der Heimschule, die Jugendliche dazu anleiten möchte, Verantwortung für die Zukunft der Gesellschaft zu übernehmen und sich dabei auch für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen, sei die umweltfreundliche Energieversorgung der Schule ein wichtiges Element, erläuterte Schulleiter Eberhard Pfister. Unterstützt wird dieses Engagement durch den Schulträger, die Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg. Deren Stellvertretender Direktor Ralph Schwörer betonte, dass diese Anlage ein weiterer Schritt in Richtung klimaneutrale Diözese 2030 sei.

Bürgermeister Metz sieht in der neuen Solaranlage einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und einen weiteren Mosaikstein im Bemühen der Stadt Ettenheim um eine nachhaltige Energieversorgung.

Für ratio energie GmbH bedeutet die Solarthermieanlage einen weiteren, innovativen Baustein in der über 25-jährigen Firmengeschichte. ratio energie war für die Projektierung der Gesamtanlage und deren ingenieurtechnische Einbindung in die bestehende Energiezentrale zuständig. Darüber hinaus fungierte das Unternehmen aus Lörrach in seiner Eigenschaft als Mehrheitsgesellschafter der Fernwärme Ettenheim GmbH als Bauherrenvertreter.

Mit einem Projekt dieser Größenordnung betrat die Fernwärme Ettenheim Neuland. Im südbadischen Raum gebe es kein vergleichbares Projekt in dieser Dimension, so Geschäftsführer Peter Blaser. Der Erwerb der Aufstellflächen für die Solaranlage war dank der Kooperationsbereitschaft der Grundstückseigentümer kurzfristig möglich, hob Isabel Obergföll hervor. Das Zusammenwirken der drei Gesellschafter der Fernwärme Ettenheim GmbH, der Stadt Ettenheim, der Schulstiftung und der ratio energie war auch bei diesem Vorhaben vorbildlich, lobte Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz.

Seit über 20 Jahren versorgt die Fernwärme Ettenheim die Heimschule und das Quartier am Ettenbach nun mit klimafreundlicher Energie. Dank der Kooperation der Stadt Ettenheim und der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg mit der ratio energie als Planungsbüro und geschäftsführendem Gesellschafter wurde die Heimschule St. Landolin mit Internat, Sporthalle und Hallenbad sowie rund 200 Haushalte im benachbarten Wohngebiet in den letzten 20 Jahren über eine Hackschnitzelheizanlage und ein erdgasbetriebenes Blockheizkraftwerk mit klimafreundlicher Energie versorgt. Rund 4 % des Jahreswärmebedarfs steuerten Heizölkessel bei, die auch der Ausfallreserve dienten.

Zuvor, also bis in das Jahr 1999 wurden alleine für die Heimschule jährlich etwa 500.000 Liter Heizöl verbrannt – heute wird mit fast derselben – jedoch regenerativ erzeugten - Wärmemenge das gesamte Quartier inkl. der Heimschule versorgt.

Mit den vergangenen Jahren wurden weitere Gebäude wie z.B. ein Pflegeheim, zwei betreute Wohnanlagen, die Wohngebäude im Stoelckergarten sowie  Gewerbebetriebe an das Netz angeschlossen, das mittlerweile eine Länge von 3,6 km außerhalb des Schulgeländes umfasst.

Die solarthermische Anlage wird künftig das mittlerweile stillgelegte Blockheizkraftwerk ersetzen und die weiterhin bestehende Wärmeerzeugung aus einem Holzhackschnitzelkessel und zwei Öl-Spitzenlastkessel ergänzen. Während bisher rund 82 % der benötigten Wärme regenerativ über den Holzkessel, jedoch 14% fossil über das Erdgas-Blockheizkraftwerk und 4 % fossil über die Öl- Spitzenlastkessel bereit gestellt wurden, sollen zukünftig rund 95 % der benötigten Wärme regenerativ aus Holz und Solarenergie stammen.

Die Solarthermieanlage wird hauptsächlich den sommerlichen Wärmebedarf decken und dabei das Blockheizkraftwerk und die Wärme aus Heizöl ersetzen, so werden durch die Solarthermieanlage Treibhausgasemissionen eingespart.

Als Generalunternehmer für die komplette Solaranlage inklusive der beiden Pufferspeicher wurde im Rahmen eines Bieterverfahren mit internationaler Beteiligung die finnische Firma Savosolar Oyi ausgewählt. Dieses Unternehmen ist seit Jahren darauf eingerichtet, europaweit Großprojekte durchzuführen.

Installiert wurden in Ettenheim 112 Hochleistungs-Flachkollektoren, die in 14 Kollektorreihen aufgeteilt sind. Die Kollektoren wurden in Finnland in einem innovativen Verfahren hergestellt und entsprechen höchsten Industriestandards.

Wie Peter Blaser erläutert, erzeugt die Solaranlage bei hoher Sonneneinstrahlung mehr Wärme als im Netz benötigt wird; dieser Überschuss wird in zwei jeweils 100 Kubikmeter fassende Pufferspeichern eingespeist und steht dann zur Überbrückung von Betriebszeiten ohne ausreichenden Solarertrag zur Wärmeversorgung zur Verfügung. In umfangreichen Computer-Simulationen wurde ein technisch ausgewogenes und wirtschaftlich tragfähiges Verhältnis von Solaranlagengröße, Pufferspeichervolumen und Wärmebedarf ermittelt.

Mit den Arbeiten wurde Ende August 2019 begonnen, die beiden Pufferspeicher wurden Anfang Dezember 2019 aufgestellt. Über den Winter 2019/20 wurde die Solaranlage dann komplettiert. Geplant war, dass ab Frühjahr 2020 die Kraft der Sonne direkt ins Fernwärmenetz von Ettenheim einspeisen und die angeschlossenen Schul-, Gewerbe- und Wohngebäude mit regenerativer Energie versorgen würde.

Corona hat dann dafür gesorgt, dass daraus nichts wurde, denn die finnischen bzw. dänischen Spezialisten saßen in ihren Heimatländern fest und die Montagearbeiten mussten unterbrochen werden. Diese konnten erst nach der internationalen Lockerung der coronabedingten Einschränkungen im April 2020 wieder aufgenommen und die Anlage fertig gestellt werden. Im Zeitraum Juni bis September 2020 fanden im Rahmen des Probebetriebs umfangreiche Test insbesondere der Steuerungs- und Regelungsfunktionen statt. Diese waren besonders wichtig, denn die Sonne lässt sich nicht abschalten und trotzdem muss sich die Anlage jederzeit in einem sicheren Betriebszustand befinden und die bis zu 1.100 kW thermische Kollektorleistung verarbeiten können.

Ökologisch ebenfalls vorbildlich wurde nach Fertigstellung der Kollektoranlage damit begonnen, die Aufstellfläche in eine Magerwiese mit vielfältigem Pflanzenbewuchs umzugestalten. Hierzu wird über einen Zeitraum von rund 5 Jahren der Nährstoffgehalt im Boden auf natürlichem Wege abgebaut, indem das Schnittgut entfernt wird. Zudem wurde mit einer Viehhalterin vereinbart, das bereits umzäunte Gelände zur temporären Mutterschafhaltung zu nutzen. Ein hierzu notwendiger Unterstand wird – Stichwort Upcycling - aus dem Holz der Transportgestelle der Solarkollektoren gefertigt. Ortstypische Sträucher und einige wenige Bäume sollen die Aufstellfläche weiter aufwerten; ein Imker hat bereits Interesse signalisiert, seine Bienenstöcke auf dem Gelände aufzustellen.

Foto: Sandra Decoux-Kone