Einzigartiges Pilotprojekt im Ettenheimer Stadtwald

27. September 2022

Messungen, wie Bäume auf Umweltveränderungen  reagieren

Welch bislang weltweit einzigartiges Pilotprojekt von der Universität Freiburg im Ettenheimer Stadtwald durchgeführt wird, das war unübersehbar selbst für den Ettenheimer Gemeinderat überraschend und beeindruckend. Am Freitagnachmittag machten sich die gewählten Bürgervertreter mit Bürgermeister Bruno Metz sowie den für den Ettenheimer Forst zuständigen Förstern Bellert und Niehüser und den Waldarbeitern auf zur üblichen Waldbegehung.

Zur ersten Station ging es gleich hoch hinauf in die Nähe des Windparks am Schnürbuck. Etwas abseits des Zufahrtsweges wurde man schnell einer mit vielen Kabeln, Schläuchen, Sensoren in Boden und an Bäumen versehenen Waldfläche gewahr, deren Zielsetzung eine Delegation der Fakultät für Umwelt und natürliche Ressourcen der Universität Freiburg mit den Professoren Christiane Werner und Markus Weiler an der Spitze erklärte. Bewusst hatte die Forschungsgruppe diese „in einem wahren Top-Zustand befindliche Waldfläche“ (Christiane Werner) ausgewählt – zum einen, weil man hier Flächen mit reinem Buchenbestand einerseits, reinem Fichtenbestand andererseits, aber auch Mischbeständen vorfindet, zum andern, weil das nahe Windrad den für die Sensor- und Messtechnik benötigten Strom zu liefern vermag.

Ziel des Projekts, dessen Finanzierung zunächst auf drei Jahre gesichert ist – eine deutliche Verlängerung auf dann zwölf Jahre steht in Aussicht – ist die Untersuchung einer ökohydrologischen Bilanz, die Beobachtung, wie die einzelnen Baumarten mit Regen und Bodenfeuchtigkeit umgehen und wie sie möglicherweise interagieren. Untersucht werden soll auch der unterschiedliche Sauerstoffgehalt des Wassers in verschiedenen Bodenschichten. Blattwasserpotential wird von Baumkletterern einmal im Monat aus den Baumkronen herausgeholt und geprüft, welche Stressfaktoren auf Bäume wirken, wie diese dann Wasser über die Wurzeln aus dem Boden saugen.

Dem laufenden Projekt „Eco-Hydro“ soll dann ein weiteres Projekt mit der Bezeichnung „Eco-Sense“ folgen, das einen Einblick geben soll, welche Auswirkungen der Klimawandel auf komplexe Waldökosysteme ausübt. Ein verbessertes Prozessverständnis der Kohlenstoff- und Wasserzyklen  wird von den Forschern als zwingend erforderlich für präzise Vorhersagen der Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Wälder erachtet. Zur Durchführung dieser Messungen sollen dann sogenannte „Türme“ im Wald errichtet werden, deren Messtechnik dann über den Baumkronen installiert wird.

Viel Zeit nahmen sich die Mitarbeitenden in diesem Forschungsprojekt für die vielen interessierten Fragen der Gemeindevertreter. Mitte Oktober soll eine Informationsveranstaltung für interessierte Bürger im Bürgersaal stattfinden.

Punkte für das Ökokonto
Im zweiten Teil befasste sich die Waldbegehung dann an zwei Stationen mit der ökologischen Aufwertung aufgelassener Steinbruchteile. Mit Thomas Ullrich hat der Ettenheimer Gemeinderat ja einen Experten in dieser Thematik in seinen Reihen. Beim „Betonbunker“ am unteren Steinbruchrand oberhalb von Münchweier erläuterte der FLE-Stadtrat und Mitarbeiter von Ö:konzept Freiburg, wie der ehemalige Schüttcontainer zu einem Winterquartier für Fledermäuse umgestaltet werden soll. Konstant niedrige Temperaturen (über null Grad) bei hoher Luftfeuchtigkeit sollen durch die Schließung des unteren Bereichs, durch Anböschung, eine Wasserableitung vom Dach des Bunkers ins Innere sowie eine Bestockung zur Straße hin erreicht werden. Durchgeführt werden sollen die Maßnahmen durch die Forstverantwortlichen.

An einer anderen Stelle des ehemaligen Steinbruchs erläuterte Ullrich dann, wie durch forstliche Maßnahmen wichtige Lebensräume für Insekten, Reptilien gefördert, Bruthabitate für Vögel begünstigt werden sollen. Die hohe Steinbruchwand  habe eine besondere Bedeutung für den Schutz des Wanderfalken, biete aber auch einen geeigneten Lebensraum für den Uhu. Der hohe Anteil offener Felsen biete zudem selten gewordenen Lebensraum beispielsweise für Eidechsen.

Mit den geplanten Maßnahmen kann die Stadt in ihrem Wald weitere wertvolle Punkte für ihr Ökokonto erwerben.

Text: Klaus Schade
Foto: Bertold Obergföll