„Die Traubeneiche wird Klimagewinnerin“

30. Juli 2020

Zu einem superspannenden Informationsaustausch hat sich „viel Waldkompetenz“ nach den Worten von Bürgermeister Bruno Metz in der vergangenen Woche im Waldstück oberhalb des Brudergartens bei Wallburg getroffen. Thema des Treffens war: Wie sieht der Wald im Jahr 2100 aus? Auf Initiative des CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiß trafen sich Behördenvertreter des Ortenaukreises mit dem Leiter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA), Professor Dr. Ulrich Schraml. Dabei auch Vorstand Kurt Weber von der Waldservice Ortenau eG.  

Ettenheim besitze circa 1150 ha gemeindeeigenen Wald. Durch die Auswirkungen des Klimawandels, vor allem der Trockenheit und Hitze, kämen in Zukunft rote Zahlen aber immer näher, so Metz. Er lobte die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Waldservice Ortenau eG, die das Holz aus dem interkommunalen Forstrevier vermarktet. In den Revieren 23 und 29 waren das zuletzt knapp 25 000 Festmeter. Das Totholz nehme zu und es komme gegenwärtig zu einem rasanten Preisverfall, so Kurt Weber für den Dienstleister für den kommunalen und privaten Waldbesitz.

Die Tanne verdurstet im Ortenaukreis seit 2018 förmlich“

Dies stellte Amtsleiter Hans-Georg Pfüller mit dem Blick auf die Baumwipfel im angrenzenden Waldstück für den Landkreis dar. Und auch die Fichte und Buche werde in naher Zukunft einen erheblichen Rückgang erfahren. Der Naturraum verändere sich rasant, die Realität überhole gerade frühere Modelle. Deshalb sei ein Umschwenken im Baumartenspektrum dringend nötig, der jedoch nicht von heute auf morgen stattfinden könne, sondern ein Denken in Jahrzehnten erforderlich mache: „Wir stehen nicht ratlos da“, so sein entschlossenes Statement.  Zur Entwicklung von Anpassungsstrategien lieferte der Leiter der FVA interessante Forschungsergebnisse.  „Gemeinden verfolgen mit dem Wald bestimmte Interessen und sie wollen etwas vom Wald“, ergänzte Dr. Schraml. „Eine Verschnaufpause ist risikoreich“. Sein Institut arbeitet an Prognosen und Modellen bis in die Jahre 2070- 2100, um der Forstwirtschaft zu helfen. Danach stellt der Wassertransport in große Höhen ein zentrales Problem für bestimmte Baumarten dar. Alte Bäume haben dadurch Stress. Fehlende Niederschläge, der Borkenkäfer und weitere Risikofaktoren erhöhen die Vulnerabilität, also die Verletzlichkeit des Waldes. Es werde folglich in der Zukunft im Schwarzwald niedrigere Bäume geben.

Keine Zeit verlieren beim Umbau des Waldes

Die Charakterbäume des Schwarzwaldes dagegen, Tanne und Fichte, werden zu Begleitbäumen im Erscheinungsbild. Schraml empfiehlt aus der Sicht der Wissenschaft eine Mischung mit 5 Baumarten. Dabei zeigte er Zurückhaltung in der Frage, ob sogenannte Baumexoten aus anderen Kontinenten angepflanzt werden sollten. Gute Chancen gebe es aus der Sicht der Forschung dagegen für die gleichen, bisher bekannten Arten mit anderer Herkunft. Er hat dabei die Esche im Blick und auch die Vogelkirsche: „Mit heimischen Baumarten arbeiten ist besser“, so seine Ansicht. Für den Bergahorn sieht er Gefahren durch Pilze und Insekten, die über Verpackungsmaterial eingeschleppt werden. Auch Kiefer oder Lärche seien nicht als Rückgrat der künftigen Forstwirtschaft geeignet. Bäuerliche Betriebe könnten bei geeigneter betriebswirtschaftlicher Struktur durchaus Baumarten „ausprobieren“. Dabei sollte seitens der EU-Politik auch über die Zulassung neuer Genotype nachgedacht werden, wie es Revierleiter Lothar Bellert formulierte. Bei den eventuell geeigneten Baumarten wurden seitens der Fachleute vor Ort die Hasel und deren osteuropäische Schwester, die Baumhasel, genannt. Sie liefern ein dichtes und hochwertiges Möbelholz bei zügigem Wachstum bis zu 25 Metern Höhe innerhalb von 20 Jahren.

Kastanienholz aus der Ortenau für den Erhalt von Venedig

Die Esskastanie und Nussbäume werden an geeigneten Bruchholzstellen nach Sturm Lothar bereits getestet. „Wir liefern gegenwärtig Kastanienholz zum Erhalt der Pfahlbauten in Venedig“, Kurt Weber von der Waldservice Ortenau eG. Die Fachleute vor Ort greifen dabei sehr interessiert auf das wissenschaftliche Know-how zurück. Dass es zu einer Renaissance der heimischen Eiche kommen könnte, davon zeigten sich die Fachleute zum gegenwärtigen Zeitpunkt überzeugt. Diese ökologisch wertvolle Baumart, die viele Insekten anzieht und auch für die Jagd geeignet ist, komme mit den trockenen und warmen Verhältnissen gut zurecht. Der Blick auf die Bäume am Brudergarten machte die unterschiedlichen Nutzungen deutlich, die der Wald erfährt. Holzwirtschaft ist die eine, Naherholungsgebiet, Arena für sportliche Aktivitäten und Lernort sind andere. Vor allem auf der europäischen Ebene sollen die Weichen für die Beratung und Förderung der Waldbesitzer gestellt werden, so MdB Peter Weiß zum Ende des Informationsaustausches.

Für weitere Informationen :   https://www.fva-bw.de/daten-und-tools/geodaten/klimakarten

Quelle: WZO Von Haus zu Haus Ettenheimer Stadtanzeiger