Blaue Stunde: Wie beim Bildhauersymposium ganz unterschiedliche Kunstwerke entstehen

6. September 2019

Um Besuchern einen Eindruck davon zu vermitteln, hatten die Gastgeber Erika und Anno Sieberts am vergangenen Mittwoch zur ersten "Blauen Stunde" eingeladen. Dabei war auch Geschichtenerzählerin Nikola Hübsch

Die Geschichtenerzählerin
Nikola Hübsch ist Schauspielerin und Theaterpädagogin. Sie versteht es, beim 90-minütigen Rundgang über den Sieberts-Campus zu improvisieren. Beim Betrachten der Kunstwerke, die gerade im Entstehen sind, entstanden spontan Geschichten und Assoziationen, die sich wiederum mit neuen Geschichten verknüpfen ließen. Dem schweren Steinbrocken, den Michael Dan Archer bearbeitete, hauchte Hübsch ein eigenes Leben ein. In der Geschichte krachte er in ein Schulhaus. Das Publikum wurde einbezogen, sollte zum Beispiel ein Lebewesen, eine Tätigkeit und einen Ort nennen, die in die Geschichten einflossen.

Die Künstlerinnen und Künstler
Erika Inger steckte in ihrem roten Arbeitsoverall, trug Augen und Mundschutz und bearbeitete einen großen Sandstein, den Anno Sieberts aus dem Bleichtal geholt hatte. Dem "Wesen in Startposition", wie Inger es nannte, wurden Linien eingeflext. Konzentriert war die zierliche Bildhauerin aus Südtirol mit ihrem Kunstwerk beschäftigt, während Anno Sieberts Michael Dan Archer half, einen großen Granitstein zu drehen, der die Form eines Bootes hat. Etwas weiter hantierte in blauer Latzhose Matilde Grau aus Barcelona mit einem Porzellanteig, den sie in Würsten wie Schneckennudeln aufgerollt hatte. Vor den Augen der Zuschauer entrollte sie ihn, um daraus Teller zu formen. Die Teller mit ihren gewollten Unebenheiten will sie aufeinander stapeln. Wolfgang Wohlfahrt beschäftigt sich mit Philosophie. Er klopft für sein Kunstwerk Zitate und eigene Überlegungen in Steine, die bisher in alten Gebäuden in Ettenheim geschlummert haben. Ein Künstler fehlt noch: Matthäus Thoma aus Berlin hat seine dreidimensionalen Holz Module, die am Ende zu einem großen Gesamtkunstwerk zusammengefügt werden sollen, schon bei einem Aufenthalt im Juli angefertigt. Er wird erst am Wochenende nach Ettenheim kommen.

Das Publikum
Rund 20 Personen nahmen an der ersten "Blauen Stunde" teil. Aus Sicht der Veranstalter eine gute Resonanz. "Ich finde das Bildhauersymposium sehr spannend", sagt Heike Papke, eine der Teilnehmerinnen. Künstlerisch sei sie nicht bewandert, sagt sie. Gespannt ist sie vor allem darauf, wie Matthäus Thoma seine Holzmodule zu einer Einheit zusammenbaut. Christa Bliss, eine andere Teilnehmerin, sagte im Gespräch mit der BZ, sie habe erwartet, dass Nikola Hübsch die einzelnen Arbeiten erklären würde. Sie habe sich dann aber auf die Geschichten eingelassen. "Ich habe durch die Geschichten erahnen können, wie jeder Künstler mit seinem Material lebt und arbeitet", sagt Christa Bliss.

Wie es weitergeht
Das Angebot wird fortgesetzt: Am Mittwoch, 11. September, und am Mittwoch, 18. September, findet jeweils wieder eine "Blaue Stunde" statt. Beginn ist jeweils um 18 Uhr. Am 11. September ist noch einmal die Geschichtenerzählerin Nikola Hübsch dabei. Am 18. September gibt es dann "eine Geschichte vom Wünschen und Warten, mit Steinen und Eseln in den Hauptrollen" von und mit Hartmut Pradt aus Ettenheim. Wer Lust hat, kann eine Kleinigkeit zum gemeinsamen Buffet mitbringen. Erika Sieberts freut sich schon auf die nächsten beiden Rundgänge. "Es wäre schön, wenn kommenden Mittwoch wieder so viele Besucherinnen und Besucher kämen und wir hinterher noch gemeinsam zusammensitzen könnten."

Text und Foto: Sandra Decoux-Kone