Bei einem Rundgang am Tag des offenen Denkmals erfuhren Interessierte mehr über Ettenheim

10. September 2019

Auch das Museum war geöffnet

Bundesweit haben am Tag des offenen Denkmals am Sonntag Rundgänge, Vorträge und andere Aktionen stattgefunden. So auch in Ettenheim. Dort begab sich Stadtführerin Aline Jung mit Interessierten auf einen Rundgang durch die barocke Altstadt. Außerdem war das Museum geöffnet, in dem ein neues Ausstellungsstück zu sehen ist.

Am Bärenbrunnen vor dem historischen Rathaus begann der Rundgang, der über das Palais Rohan, am Ichtrazheim’schen Haus vorbei und hinauf zur Barockkirche St. Bartholomäus führte. Die Kirche, in deren Chor 1803 Kardinal Rohan bestattet wurde, wurde ebenfalls besichtigt.

Das Palais Rohan diente als fürstliches Domizil für den Kardinal, der vor der Französischen Revolution aus Straßburg geflüchtet war. Heute ist es Sitz der Stadtverwaltung. Nach der Besichtigung der Kirche ging es wieder hinunter in die Altstadt, am "Schläfer", einem gotischen Christus, liegend im Grabe, am Haus Nummer 5 in der Ettikostraße vorbei und über die Friedrichstraße zur Spitalkapelle. Das Spital wurde 1780 bis 1782 gebaut und diente als Kranken-, Armen- und Waisenhaus, erfuhren die Teilnehmer. Heute ist dort die Sozialstation untergebracht. Nach einem Blick vom Brückle in der Alleestraße auf "Klein Venedig" ging es für die Gruppe weiter über die westliche Ringstraße zum Prinzengarten. Aline Jung führte an verschiedenen Zeugnissen wechselhafter Vergangenheit vorbei. Als Kleinod präsentierte sich der Prinzengarten. Der Garten befand sich bis zum Tod des Barons Albertini vom Ichtrazheim 1821 immer im Besitz von adeligen Familien. Für die Ettenheimer besonders reizvoll ist die Liebesgeschichte zwischen Charlotte, der Nichte des Kardinals, und dem Duc d’Engien vor mehr als 200 Jahren. Das Gartenhäuschen war ihr geheimer Treffpunkt gewesen, berichtete Aline Jung. Ein Glücksfall für Ettenheim wurde die durch eine Initiative zur Erhaltung des Prinzengartens und der Gründung des Freundeskreises initiierte Gestaltung der Anlage seit 2001 bis heute.

Der Abschluss des Rundgangs fand im Museum im Gewölbekeller des Vereinshauses statt. Früher wurde das Gebäude als Amtsgefängnis und herrschaftlicher Fruchtspeicher genutzt. Am Sonntag führte Margret Oelhoff zahlreiche Interessierte durch das Museum, das wertvolle Exponate besitzt.

Einen Schwerpunkt der Abbildungen bieten die Beziehungen des Kardinals Rohan, Fürstbischof von Straßburg, zu Ettenheim. Weitere Themen sind der heilige Landelin, der als Einsiedler im Jahr 640 im Münstertal ermordet wurde, ferner das im 8. Jahrhundert durch Bischof Etto gegründete Kloster sowie der Dreißigjährige Krieg.

Zu den interessantesten Exponaten gehören eine Fensterscheibe mit einem Liebesgedicht des Duc d’ Engien an seine Geliebte Charlotte de Rohan-Rochefort sowie eine originalgetreue Nachbildung des "Halsbandes der Königin". Die Nachbildung der berühmten Halskette, die für Königin Marie Antoinette von Frankreich bestimmt war, wird im Museum in einer Schatulle präsentiert. Im Jahr 2004 hatte die Rohan-Nachfahrin aus Tschechien, Gräfin Marguerite Kottulinsky-Rohan, der Stadt Ettenheim die Nachbildung des Halsbandes zum Geschenk gemacht.

Nun können Besucher auch sehen, wie das Halsband einst getragen ausgesehen hat: Der Ettenheimer Wolfgang Hoffmann hat ein Modell in einem blauen Barockkleid und mit stilechter Perücke fotografiert, das das berühmte Schmuckstück trägt. Ermöglicht hat dies nach der Idee von Stadthistoriker Dieter Weis die Beziehung von Wolfgang Hoffmann zum Staatstheater Karlsruhe. Hoffmanns Schwester Uta Hoffmann ist dort Sängerin. Sie konnte Modell, beziehungsweise Schauspielerin Christina Mohari, sowie Fundus-Verwalterin, Garderobiere und Maskenbildnerinnen gewinnen, das Halsband stilgerecht zu tragen. Das so entstandene Bild ist unterhalb der Schatulle im Museum zu sehen.

Text : Ulrike Hiller
Fotos: Wolfgang Hoffmann und Ulrike Hiller