Auf dem Weg zu mehr Klimaschutz

8. November 2018

Im Rahmen einer Infoveranstaltung der Stadt Ettenheim konnten Bürgerinnen und Bürger eigene Ideen und Wünsche zum Klimaschutzkonzept der Stadt Ettenheim einbringen. Die Stadt Ettenheim hatte zum "Zukunftsdialog Klimaschutzkonzept" eingeladen.

Dabei waren auch die Energieagentur Regio Freiburg und die Ortenauer Energieagentur. Für den Projektleiter und Stadtbaumeister Maximilian Bauch sind auch kleine Schritte auf dem Weg zur Verringerung des Energieverbrauchs wichtig, weil sie sich in der Summe multiplizieren. Dazu gehört für ihn auch die Nähe zu den Interessen der Bürgerschaft. Bis Ende Februar 2019 sei eine Verlängerung des Projektzeitraums beantragt, bis dahin gebe es aktuell Fördermittel. Das Klimaschutzkonzept wird vom Land Baden-Württemberg bezuschusst.

Bürgermeister Bruno Metz hob in der Begrüßung das große Potenzial der Stadt zur Verringerung des Primärenergieverbrauchs hervor. Er ermutigte die Anwesenden, Ideen und Wünsche einzubringen.

Dazu gab es im Verlauf dann auch Spannendes und Interessantes von den Teilnehmern zu hören. Wie könnte man die Abwärme der Deponie Kahlenberg ohne großen Verlust vom Erzeuger zum Verbraucher transportieren? Wie kann man die in die Jahre gekommene Heizung im eigenen Haus klimagerecht modernisieren? Wie kann die Energieversorgung in der Altstadt verbessert und in Neubaugebieten nachhaltiger geplant werden? Der Workshop, der von Julia Deutsch mit ihrem Team moderiert wurde, lieferte einige Antworten, warf aber noch viel mehr Fragen auf.

Deutlich wurde dabei, dass langjährige Konzessionsverträge mit den Energieversorgern Badenova oder der EnBW den Gestaltungsmöglichkeiten oftmals Grenzen setzen, die nicht sofort überwunden werden können. Man solle autofreie Wohngebiete anstreben oder auch das Radwegekonzept energischer umsetzen, war zu hören. Die Altstadtsatzung müsse überarbeitet werden, um zum Beispiel in größerem Maße Fotovoltaikanlagen zu ermöglichen. Bauch bekam von den Anwesenden eine "Hausaufgabe für die Stadt": Er solle ein beispielhaftes Quartierskonzept erarbeiten, das es auch in Nachbargemeinden schon gebe. Ein Umdenken bei der Anschaffung städtischer Fahrzeuge wurde gefordert, ein zentrales Heizkraftwerk statt vieler individueller Lösungen. Ein rollender Dorfladen und die Ladesäulenpflicht für Mehrfamilienhäuser waren weitere Aspekte.

Stadt fungiert als Anlauf- und Koordinationsstelle

Durchgängig war die Einsicht, dass mit Förderprogrammen Impulse für die Gebäudeeigentümer gesetzt werden können. Wenn ein Synergieeffekt von Geldersparnis und Energieeinsparung erkennbar sei, stelle das die entscheidende Motivation für viele zum Handeln dar. Die Stadt sei eine Anlauf- und Koordinationsstelle, sie verfüge über einen gesicherten Datenpool, so Bauch in der Gesprächsrunde.

Auch sollen die Energietage noch stärker als Sprachrohr der Stadt auf dem Weg zur Nachhaltigkeit genutzt werden. Die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern, die Information über Einsparpotenziale und die Motivation für die Akteure wurden als wichtige Faktoren in diesem Umdenkungsprozess angesehen.

Eine Teilnehmerin zeigte sich sehr beeindruckt von der Initiative der Stadt: "Super spannend, dass die Stadt da dran ist." Ein anderer war eher enttäuscht, weil er an diesem Abend gehofft hatte, einen konkreten Vorschlag zum nachhaltigen Umbau seiner Holzheizung im Eigenheim zu bekommen. Er hatte sein Haus schon einmal vor Jahren von der damals angepriesenen Nachtstromheizung umgestellt. Bauch konnte ihm immerhin Adressen geben, an die er sich wenden könne. Dazu zählen die Ortenauer Energieagentur, aber auch die Architekten, Handwerksbetriebe und Energieberater vor Ort.

In der zweiten Hälfte der Veranstaltung war deutlich mehr Dynamik bei den Gesprächen aufgekommen. Anfangs hatte die Veranstaltung unter der Dominanz der Moderatoren gestanden. Nur als Energieexperte konnte man auch, anders als es im Vorfeld geheißen hatte, den Impulsreferaten zur "Agenda 2050" folgen. Von einem anregenden Gedankenaustausch und von Dialog war da noch wenig zu spüren gewesen. Ende Januar 2019 soll ein konkreter Maßnahmenkatalog vorliegen.

Textquelle: Bertold Obergföll, Badische Zeitung
Foto: Sandra Decoux-Kone, Badische Zeitung