KLINIK-INITIATIVE - LEBEN

Die Gesundheitsversorgung gehört zu den wichtigsten Aspekten der Daseinsvorsorge überhaupt. Sie lebt von Menschen, die sich um diejenigen kümmern, die Hilfe brauchen.

Die Klinik-Initiative LEBEN tritt dafür ein, dass das Klinikum Lahr weiterhin auf dem Niveau eines Maximalversorgers arbeiten kann und dass das Ettenheimer Krankenhaus seine Stärken in den Klinikverbund der Ortenau weiterhin einbringen darf, mit erstklassiger Medizin, effizienten Strukturen, mit Aufgaben der Grundversorgung wie einer hochgradigen Spezialisierung in Teilaufgaben und mit der engagierten Leistung seiner Mitarbeiter und der guten Atmosphäre im Haus.

Gegen die Schließung des Ettenheimer Krankenhauses sprechen Zahlen und Fakten, die teils von den Gutachtern offenkundig ignoriert werden. Ignoriert werden ebenso medizinische Leistungen wie Patientenzufriedenheit.

Weitere Informationen zur Initiative unter www.klinikinitiative-leben.de.

17.07.2018
Offener Brief von Bürgermeister Bruno Metz an Landrat Frank Scherer zur Klinikdebatte:

Sehr geehrter Herr Landrat Scherer,

in einem Interview der Lahrer Zeitung am Samstag sind Sie zur Überprüfungsklausel zitiert: „Sollte sich die Situation in Ettenheim erheblich verbessern, wird neu verhandelt.“

Bisher hat das Ettenheimer Krankenhaus als Teil des Lahrer Klinikums

  • die beste Patientenbewertung aller Kliniken des Ortenaukreises, auch beim wichtigen Feld des Behandlungserfolgs.
  • die schlanke Aufstellung und Aufgaben in der Grundversorgung in der Inneren Abteilung sowie mit Fuß- und Schmerztherapie ortenauweite Spezialisierungen.
  • für das Ortenau Klinikum eine Wirkung in den benachbarten Kreis. Gemeinden, Ärzte und Bürger aus dem südlichen Nachbarkreis haben sich für das Ettenheimer Krankenhaus ausgesprochen. Von dort kommen eine nicht unerhebliche Anzahl von Patienten nach Ettenheim und über Ettenheim auch in andere Ortenauer Häuser.
  • bis zu strukturellen Eingriffen durch das Management nach allen Informationen, die mir zur Verfügung stehen, eine sehr gute Auslastung und wirtschaftliche Prosperität.
  • eine sehr gute Zusammenarbeit mit guter Aufgabenteilung im Verbund.

Daher bitte ich um Information, in welchen Kriterien sich die Situation in Ettenheim verbessern soll, um im Rahmen der Überprüfungsklausel eine Chance zu bekommen, auch künftig als stationärer Klinikstandort positiv zum Ortenauer Klinikergebnis beitragen zu dürfen.

Wir alle wissen, die im Lohfert & Lohfert-Gutachten beschriebene zurückgehende Auslastung von 2015 auf 2016 ist Ergebnis dessen, dass 2016 Personal von Ettenheim nach Lahr entliehen und Teile des Ettenheimer Hauses zeitweise geschlossen wurden. Die von Ihnen ins Feld geführten 64 % Auslastung im Jahr 2017 ist im wesentlichen Ergebnis der Ansiedlung der Fußchirurgie. Die Chirurgen haben sich für Ettenheim und gegen andere Ortenauer Standorte ausgesprochen. Da leider nur ein funktionstüchtiger Operationssaal in Ettenheim zur Verfügung steht, wurde die Priorität auf die Fußchirurgie gelegt; die anderen Operateure wurden nach Lahr beordert. Die sehr gute Fußchirurgie mit ihrem hohen ambulanten Anteil kann natürlich die chirurgischen Betten nicht so umfänglich füllen, wie dies zuvor mehrere Operateure im laparoskopischen und orthopädischen Bereich tun konnten.

Sie betonen zu Recht immer wieder den Ein-Haus-Gedanke, d.h. alle Häuser ergänzen sich und stehen zusammen. Unter diesem Aspekt war die Entscheidung zur Fußchirurgie sicher richtig. Bedauerlich ist, dass die Gründe, die bei uns zu rückgängigen Belegungen führen – Herr Keller sprach kürzlich nach Veröffentlichung mehrerer Zeitungen sogar von nur 50 % - nicht erwähnt werden. 

Dass dies und die auf der öffentlichen Veranstaltung in Ettenheim gefallene Aussage „Wir schließen kein Haus. Wir legen nur zusammen.“ in Ettenheim keinen Beifall findet, ist sicher nachvollziehbar. In Ettenheim geht es um über 12.000 Patientenkontakte im Jahr. Das sind Behandlungen, mit denen Menschen konkret geholfen wird. Das ist mit einer Verkehrsbelastung verbunden, die bei uns reibungslos läuft, an anderen Standorten aber schon zu erheblicher Anwohnerkritik geführt hat.

Ich bin dankbar, dass die Clinotel-Patientenumfrage, wenn auch erst nach mehrfachem Nachfassen, publik gemacht worden ist. Ettenheim hat hier die besten Bewertungen aller 8 verglichenen Kliniken. Die Veröffentlichung erfolgte jedoch mit einem Pressegespräch und wiederum ordentlichen Relativierungen: „Das Haus habe eine geringe Auslastung“, „Pro Patient stehe ein Mehrfaches an Personal zur Verfügung“ usw. Mitarbeiter haben für diese guten Ergebnisse hart gearbeitet.

Immer wieder werden Statistiken bemüht. Ein niedergelassener Arzt hat mir die Untersuchung einer renommierten Krankenkasse zur Verfügung gestellt. Danach hat Ettenheim ebenfalls eine sehr gute Relation von behandelten Patienten auf tätige Ärzte und Pflegekräfte.

All das verunsichert. Daher meine Bitte und dringende Anfrage im Interesse aller Krankenhäuser:

- Welche Kriterien sollen der Überprüfungsklausel, die bis etwa 2025 greifen soll, zu Grunde gelegt werden?
- Wo soll sich die Situation in Ettenheim erheblich verbessern?
- Wie unterstützt der Träger diesen Weg?

Das gleiche gilt auch für Oberkirch und Kehl.

Die Kolleginnen und Kollegen des Kreistags sowie die Presse erhalten eine Mehrfertigung.

Mit freundlichen Grüßen
Bruno Metz
Bürgermeister

28.06.2018
Volle Stadthalle bei der Informationsveranstaltung des Ortenaukreises zur Agenda 2030 in Ettenheim
Viele Emotionen: "Sie lügen mit Ihren Statistiken"

Die Verantwortlichen bei Landkreis und Ortenauklinikum haben wohl mit dem Schlimmsten gerechnet: Wer bei der Informations-Veranstaltung zum Verbleib des Ettenheimer Klinikums in der Stadthalle dabei sein wollte, musste zuerst am Sicherheitspersonal vorbei, Taschen wurden durchsucht. Einer der Sicherheits-Mitarbeiter meinte: "Bei der Veranstaltung in Kehl hätte nur jemand Attacke rufen müssen und die Leute wären aufs Podium gestürmt."

Wie emotional die Diskussion um den Ettenheimer Klinik-Standort geführt wird, zeigte sich bereits bei der Eröffnungsrede von Landrat Frank Scherer: Buhrufe, höhnisches Gelächter und Pfiffe schlugen ihm am Rednerpult entgegen. "Da können Sie ruhig pfeifen, das ist so", konterte der oberste Kommunalbeamte des Landkreises in Bezug auf seine Aussage, für ihn stünden in erster Linie "die Menschen und deren Versorgung im Vordergrund“. Das sollte nicht der einzige Moment bleiben, an dem die Stimmung in der voll besetzten Stadthalle hochkocht.

Dies vermochte auch ein eigens engagierter Moderator während der Fragerunde nicht zu verhindern. Seine Appelle, ruhig zu bleiben sind im Saal verhallt.

Während etwa Klinikchef Christian Keller die Auslastung der Betten erläuterte, steht Boris Weber, Arzt in Ettenheim, von seinem Platz auf und feuert ohne Mikrofon eine Breitseite in Richtung Podium: "Sie lügen mit Ihren Statistiken", ruft der Mediziner wütend. Keller reagiert ungehalten: "Vorher haben Sie geredet und jetzt rede ich", sagt er vehement. Pfiffe tönen aus dem Publikum, einige erheben ihre Stimme: "Und wer begrenzt die Redezeit eigentlich für Sie?" Der Moderator verstummt, Scherer wirft einen flüchtigen Blick zu Keller. Die Diskussion geht weiter. "Schauen Sie sich doch um in Deutschland", wirft der Klinikchef ein. Krankenhaus-Standorte, "um die man sich nicht gekümmert hat, sind geschlossen oder privatisiert worden."

Derweil ist unter den Fragestellern auch Kritik laut geworden, dass eine halbe Stunde für den Transport ins Klinikum Lahr viel zu knapp sei. "Die 30 Minuten sind ein Durchschnittswert. Auf irgendeiner wissenschaftlichen Basis muss man rechnen", sagt Keller – erneut schallen Pfiffe und Gelächter. Und weiter geht es mit der nächsten Frage.

Die Informations-Veranstaltungen über den Verbleib der Klinik-Standorte im Landkreis fanden bereits in den vergangenen Wochen in betroffenen Gemeinden statt. Diesen Donnerstag kamen die Verantwortlichen nun nach Ettenheim in die Stadthalle. Auf dem Podium beantworteten neben Landrat Frank Scherer unter anderem Christan Keller, Geschäftsführer des Ortenauklinikums, und Chefarzt Lothar Tietze die zahlreichen Fragen des Publikums.

Text: Alexander Kauffmann, Lahrer Zeitung
Foto: Sandra Decoux-Kone

 

Überwältigender Einsatz der Menschen für das Krankenhaus Ettenheim - Rau: „Über 20.000 Unterschriften sollten den Kreistag nicht kalt lassen“

Über 20.000 Menschen aus Ettenheim und Umgebung haben sich mit ihrer Unterschrift dafür eingesetzt, dass das Krankenhaus Ettenheim eine Zukunft für die Gesundheitsversorgung der Menschen in der südlichen Ortenau und dem nördlichen Breisgau erhält.

„Wir danken von Herzen all denen, die mit ihrem guten Namen öffentlich für das Krankenhaus eintreten und denjenigen die ihre Zeit gegeben haben um die Unterschriften zu sammeln“, erklärten die Initiatoren der Klinikinitiative LEBEN, die Bürgermeister Bruno Metz und Kai-Achim Klare sowie Prof. Dr. Thomas Breyer-Mayländer und Minister a.D. Helmut Rau.

Was diese Menschen jetzt erwarten dürften, so Helmut Rau bei der Übergabe der Unterschriften an Landrat Frank Scherer, seien nicht schnelle Entscheidungen auf der Basis eines mehr als angreifbaren Gutachtens sondern eine gründliche Auseinandersetzungen mit den Sachargumenten, die für ein Krankenhaus in Ettenheim im Klinikverbund Lahr-Ettenheim sprechen. „Wenn Sie das tun, dann kommen Sie zu dem Ergebnis, dass Ettenheim eine faire Chance verdient hat, sich mit den Elementen Grundversorgung und Spezialleistungen, welche keine Hochspezialisierung von Ärzten und Geräten erfordern und in einer Portalfunktion in Richtung Süden zu entwickeln“, appellierte Helmut Rau an den Landrat.

Die Vertreter der Klinikinitiative LEBEN machten deutlich, dass die Übergabe der über 20.000 Unterschriften nicht der Abschluss sondern der Startschuss für weitere Aktionen sei, die sich insbesondere mit den Schwächen des Gutachtens, das wohl als Entscheidungsgrundlage für die Gremien gesehen werden, auseinandersetze.

„Erst wenn wir eine ernsthafte Perspektive für das Krankenhaus Ettenheim erkennen,

ist unser Auftrag erfüllt“, erklärten die Initiatoren.

Foto: Olaf Michel

 

Bürgermeister der Gemeinden aus der Region übergaben Resolution an die Klinikinitiative LEBEN:

Das Ettenheimer Krankenhaus ist von essentieller Bedeutung für die Gesundheitsversorung der Menschen in der Region

Einen Tag bevor die Zukunft des Ettenheimer Krankenhauses im Krankenhausausschusses des Kreistages beraten wird, übergaben die Bürgermeister und Vertreter der Gemeinden Rheinhausen, Kappel-Grafenhausen, Rust, Ringsheim, Mahlberg und Ettenheim die Resolution zum Erhalt der Gesundheitseinrichtung an die Klinikinitiative LEBEN. Am Dienstagabend ist die Resolution auf der Tagesordnung des Herbolzheimer Gemeinderates. Auch Charlotte Schubnell aus Friesenheim setzt sich als Kreisrätin für den Erhalt des Krankenhauses ein und übergab eine Stellungnahme der Friesenheimer Ärzte, die sich für den unbedingten Erhalt der Ettenheimer Klinik aussprachen. Seitens der Klinikinitiative nahmen Minister a.D. Helmut Rau und Professor Dr. Thomas Breyer-Mayländer die Resolutionen entgegen.

Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz betonte, dass mit dem Termin noch einmal deutlich gemacht werden sollte, welche Strahlwirkung die Klinik für die Menschen in der Region habe. Sowohl in der Südlichen Ortenau als auch im nördlichen Breisgau. Knapp 21 000 Menschen aus 22 Kommunen und Städten der Ortenau hätten sich mit ihrer Unterschrift für den Erhalt ausgesprochen, außerdem auch aus 13 Gemeinden des Landkreises Emmendingen.

Alle Bürgermeister betonten die große und wichtige Bedeutung des Krankenhauses für ihre Bürger. „Das Ettenheimer Krankenhaus ist unabdingbar für die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum und die wohnortnahe Versorgung der Menschen“, bekräftigt Kai Achim Klare Bürgermeister aus Rust und stellvertretender Vorsitzender des Klinikfördervereins. Auch Dr. Jürgen Louis, Bürgermeister von Rheinhausen sagte: „Es war uns ein Anliegen und Bedürfnis, tätig zu werden. Das Krankenhaus ist eine wichtige Einrichtung auch für den nördlichen Breisgau“.

Herbolzheims Bürgermeister Thomas Gedemer betonte, dass es eine Initiative aus dem Gemeinderat heraus gab, sich für den Erhalt des Ettenheimer Krankenhauses einzusetzen.

Neben den Bürgermeistern und Vertretern der Kommunen waren auch zahlreiche Gemeinderäte gekommen, um ein Signal für den Erhalt zu setzen.