Barock-Rundweg:
mit Kardinal Rohan durch das historische Ettenheim

Rohan
Gestatten, mein Name ist Rohan, Louis René Edouard von Rohan. Als Prinz von Rohan war ich Kardinal und Fürstbischof von Straßburg. Genau hundert Jahre hatte meine Familie dieses Amt inne.
Während dieser Zeit haben wir die Geschicke Frankreichs maßgeblich mitbestimmt. Wenn ich auch die glanzvollste Zeit in Straßburg verbrachte, so waren mir die schönsten Stunden doch in Ettenheim vergönnt, wo ich in stürmischer Zeit meine Ruhe und den Frieden mit den Menschen fand.

Manchmal zieht es mich im Geiste in die malerischen Winkel, durch die heimeligen Gässchen Ettenheims. Begleiten Sie mich zu einem Bummel durch eines der reizvollsten Städtchen Badens. Eindrucksvolles Fachwerk, Barocke Kunst, steingewordene Tradition begegnen uns auf Schritt und Tritt in der Heimat meiner alten Tage. Fast zwei Jahrhunderte sind seitdem vergangen.

Die Unbilden sind längst vergessen, doch der Reiz meiner "Oberen Herrschaft" blieb bis heute erhalten.

1. Marktplatz

Marktplatz
Lange bevor Ettenheim meine Residenz wurde, erhielt es das Marktrecht. Der Platz, auf dem über Jahrhunderte die Märkte abgehalten wurden, zeigt heute das gelungene Ensemble verschiedener Stilepochen. Schon im 12. Jahrhundert bauten meine Vorgänger, die Bischöfe von Straßburg, den Ort aus, und zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurden dem Flecken die Stadtrechte verliehen.

2. Rathaus

Rathaus-kl
Das Rathaus oberhalb des Marktplatzes erfuhr über die Zeiten viele Umbauten, war ursprünglich mit Laubenbögen versehen und wurde im 19. Jahrhundert erweitert. Hanf-, Garn- und Butterhalle zeugen vom regen Schaffen in und um Ettenheim. Heute ist der Kornsaal als Versammlungsort für die Bürger ausgebaut, in der ehemaligen Butterhalle ist das Bürgerbüro eingerichtet. Das Stadtwappen von 1734 und die Figur des Ortsgründers Etto von Straßburg (734 - 760) zieren die Fassade.

3. Bärenbrunnen

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Eindrucksvolle und kuriose Kunstwerke begegnen uns auf Schritt und Tritt. So der Bärenbrunnen auf dem Marktplatz, der eigentlich ein Löwenbrunnen ist und vom Volksmund kurzerhand umgedeutet wurde.

4. Amtsschaffnei

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Sehr zu meiner Freude wurde in der Amtsschaffnei, wo früher die Geschäfte in meinem Sinne getätigt wurden, nach meinem Tode die Obere Apotheke eingerichtet. Heute steht hier mit der Hausnummer 15 die Wiegandt'sche Apotheke.

5. Palais Rohan

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Fürstliches Domizil in Ettenheim war nach meiner Flucht vor der französischen Revolution das Palais Rohan, nicht so mondän, aber gemütlicher als sein Pendant gleichen Namens in Straßburg. Seiner historischen Wichtigkeit entsprechend ist es heute der Sitz der Stadtverwaltung.
Die im Kellerbereich noch erhaltenen Mauern sind massives Fundament für den jetzigen Bau. Der Schlussstein auf der östlichen Giebelspitze zum Marktplatz hin zeigt das Wappen des Erbauers Erasmus Schenk von Limburg und die Jahreszahl 1560.
Am 16. Februar 1803 bin ich hier gestorben. Ein wertvoller Gobelin meines Onkels Armand Gaston von Rohan-Soubise (1704 bis 1749) und der Thora-Teppich der ehemaligen Synagoge schmücken den Sitzungssaal im Obergeschoss.

6. Gefängnis

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Meine Nachfolger von Napoleons Gnaden erbauten hinter der Mauer einen großen Frucht- und Weinspeicher. Als Folge der Zehntablösung durch Baden wurde das Gebäude 1841/43 um ein Drittel gekürzt und als Amtsgefängnis bis 1927 genutzt. Heute sind in dem schön restaurierten Haus die Städtische Bücherei, Räume für örtliche Vereine und eine Gaststätte untergebracht.

7. Winterschule

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Die Adeligen der Stadt wohnten einst hinter dem Amtshaus. Später entstand hier die Winterschule, welche als höhere Bürgerschule und als Landwirtschaftsschule genutzt wurde. Heute sind hier betreute Altenwohnungen eingerichtet und im herrlichen Gewölbekeller hat der KKW, der Kultur-Keller Winterschule, seine Heimat gefunden.

8. Annabild

Ein wahres Schmuckstück ist das Annabild am Hause Rohanstraße 20. Es stammt vom Muttergottesaltar des Vorgängerbaues der heutigen Pfarrkirche.

9. Ichtratzheim'sches Haus

Schmerzliche Erinnerungen birgt für mich das Ichtratzheim’sche Haus in der Rohanstraße 21. Die letzte Hoffnung der Anhänger der Monarchie in Frankreich, der Herzog von Enghien, wurde hier auf Befehl des großen Korsen in der Nacht zum 15. März 1804 entführt und kurz darauf bei Paris erschossen.
Er war der Geliebte und vielleicht auch der heimliche Angetraute meiner Nichte Charlotte von Rohan-Rochefort.

10. Gartenhäuschen

In der Wegbiegung fällt im Hintergrund des Hofes der Blick auf das alte Pfarrhaus, heute Zentrum der Kath. Kirchengemeinde. Die ursprünglich innere Stadtmauer dient als Fundament für die Westmauer des Gebäudes. Das Gartenhäuschen oberhalb der Einfahrt auf der Mauerecke des Pfarrgartens stammt aus dem Jahr 1877.

11. Pfarrhaus

Am Aufstieg zur Kirche stand einst das Schulhaus. Es wurde 1776/77 erbaut und ist seit 1975 Pfarrhaus.

12. Pfarrkirche St. Bartholomäus

Zu meiner Zeit als Gesandter in Wien wurde die Pfarrkirche St. Bartholomäus durch die Stadt und das Kloster Ettenheimmünster erbaut. Das Kloster war als Zehntherr für Turm und Chor in der Pflicht, letzteres wurde 1771 geweiht; der übrige Bau 1782. Während meines Exils von 1790 bis 1803 war dieses Gebäude die letzte Bischofskirche des alten Bistums Straßburg.
Wenn Sie mich besuchen wollen - hier im Chor auf der linken Seite fand ich meine letzte Ruhestätte.

 

13. Geburtshaus Johannes Gremper

Oft führte mich nach der Messe der Weg zum Rathaus durch die malerische Kirchgasse. Dort, im Fachwerkhaus Nr. 10, wurde der Überlieferung nach jener Dr. theol. Johannes Gremper geboren, der bei der Verfassung des "Hexenhammers" unrühmlich hervorgetreten ist.
Mit der Revolution wurde diesem Spuk ein Ende bereitet.

 

14. Alte Schaffnei

Früher lieferten die Ettenheimer Rebleute den Weinzehnten an das Kloster in der Alten Schaffnei ab. Erbaut wurde der Zehnkeller 1619, wie das Wappen über dem Kellertor belegt.

15. Schläfer

Wir biegen nach rechts in die Ettikostraße ein. Dem Schläfer, der sich am 1669 datierten Haus Ettikostraße 3 befindet, verdankte die Ettikostraße ihren früheren Namen Schläfergass. Er stellt einen gotischen Christus im Grabe dar und war das Kernstück eines Hl. Grabes der alten Ettenheimer Kirche.

16. Oberes Tor

Die stolzen Türme sind verschwunden, vom Oberen Tor künden nur noch die Vortorpforten mit dem Straßburger Wappen im Bogenscheitel aus dem Jahr 1778.
Hier war einer von drei schmalen Tortürmen der inneren Befestigungsanlage "Alleestraße"
Unmittelbar links nach dem Tor, führt uns der Weg in die neu gestaltete Alleestraße. Sie folgt außerhalb dem Verlauf der Ringmauer. Da und dort ruhen einige Gebäude auf Überresten dieser Anlage.

17. Spitalkirche

1780-82 wurde das Spital gebaut. Es diente als Kranken-, Armen- und Waisenhaus. Heute umfasst der Doppelbau mit der schlichten, schönen Fassade die Spitalkapelle und das ehemalige Spital, wo die Kirchliche Sozialstation untergebracht ist.

18. Vennemann'sches Haus mit Nepomukbrunnen

Glück und Leid lagen im Ettenheim meiner Tage eng beieinander. Im Vennemann’schen Haus wohnte von 1803 bis 1816 meine Nichte Charlotte von Rohan-Rochefort. Dort, im Fachwerkhaus hinter dem
Nepomukbrunnen, erlebte sie Liebe und Leid mit ihrem heimlichen Verlobten, dem jungen Enghien.

19. Unteres Tor

Den ehemaligen Turm des Unteren Tores nutzte meine Gerichtsbarkeit als Amtsgefängnis wie auch die nachfolgende Herrschaft, bis das Tor 1844 abgebrochen wurde. Die Wappen des Bistums Straßburg und der Stadt Ettenheim schmücken heute das Vortor.

20. Marienplatz mit Brunnen

Die Anbindung der schon kurz nach der Stadtwerdung angesiedelten Vorstadt an die Wehranlage des Stadtkerns bildet der um 1800 entstandene Marienplatz mit seinem Brunnen, Ort fröhlichen Geschehens und emsiger Betriebsamkeit zu allen Zeiten.

21. Scharfrichterhaus

Von dort führt uns der Weg in die Muschelgasse zum Haus des Scharfrichters, der nicht in der Stadt wohnen durfte. Der Fachwerkbau stammt vermutlich noch aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg und wurde vor einigen Jahren aufwendig erneuert.

22. Alter Stadtgraben mit dem Geburtshaus von Johann Baptist von Weiß

Wenn ich auch der mächtigste Mann in Ettenheim war - der größte Sohn der Stadt ist zweifelsohne der Historiker Johann Baptist von Weiß (1820-99), der als Professor in Graz wirkte. Seinem Geburtshaus begegnen wir auf dem Rückweg durchs Untere Tor im Haus Nr. 5 in der Westlichen Ringstraße mit ihren pittoresken Gebäuden.

 

23. Gartenhaus des Herzogs von Enghien

Mein Leidensgefährte und zugleich unglücklicher Freund meiner Nichte, der Herzog von Enghien, fand Abwechslung bei Gartenarbeiten und pflegte die Anlagen rund um das hübsche Gartenhaus.

24. Haus Vierling

Ruhe und Muße fand ich im Anwesen Vierling am Ende des Pfaffenbachs. Dieses Refugium diente als Gartenhaus meines Schlosses, und die Stunden in heimeliger Umgebung ließen die Anstrengungen des Lebens im Exil vergessen.

25. Stadtwappen

Schöne Sandsteinarbeit am Haus Thomasstraße 8.