Spannendes, Gruseliges und Mysteriöses bei der Stadtführung

8. September 2017

Keine Frage: Die Teilnehmer der Stadtführungen wollen nicht nur brave kulturelle Zeugnisse bestaunen, sondern auch eintauchen ins verruchte Ettenheim, das Petra Albert mit ihrem Themenspaziergang „Kriminalgeschichten“ versprach. Die Stadtführerin hat recherchiert und gesichtet, Episoden und Gehörtes zu Anekdoten verdichtet und mit ihren Geschichten aus mehreren Jahrhunderten ihr Publikum zum Staunen gebracht.

Kriminell waren nicht nur der Adel und die Mächtigen, die mit der Halsbandaffäre des Kardinal Rohan oder die Entführung und Erschießung des Prinzen d’Enghien in den Geschichtsbüchern Platz gefunden haben. Nicht minder ruchlos und gesetzeswidrig haben sich die Bürger verhalten, wobei diese Geschichten nicht in den gängigen Lexika zu finden sind. „Ich hab’ mir Mühe gemacht und so manches erfahren“, sagte Petra Albers, und sie erzählt Geschichten vom Hexenturm oder von Gremperhaus, in dem die Inquisition befeuert wurde. Sie stellte das Leben im Mittelalter plastisch dar, führte durch die Gassen und um die Häuser und schaffte es, die dünnen Zeugnisse stimmig darzustellen, ohne ins Fabulieren zu geraten. Und wenn sie mit ihren Geschichten aus dem Untergrund einmal etwas über die Stränge schlug, so schmückte sie ihre Worte mit Humor, wie bei der Geschichte zur Kirchturmuhr, auf die man möglicherweise aus Altdorf geschossen haben soll. „Ein Polizist hat mir verraten, dass eine Gewehrkugel das Ziffernblatt durchbohrt hat, und dass der Schuss aus Norden kam,“ schmunzelte Petra Albert. „Kein Zweifel, dass da die Altdorfer, die mit Westerncamp und Böllerschützen einschlägige Erfahrung haben, nicht ganz unbeteiligt sein können.“ Der Vorfall sei immer noch nicht aufgeklärt.

Beim Gremperhaus in der Kirchstraße 10 wurde sie jedoch ernst. Hier sei ein gewisser Dr. Johannes Gremper geboren, ein Gehilfe des Dominikaners Heinrich Kramer, der 1486 das als „Hexenhammer“ bekannte Buch verfasste. Darin soll beschrieben worden sein, was eine Hexe ausmache und warum sie hingerichtet werden müsse. „Hexen wurden für alle unerklärbaren Übel verantwortlich gemacht, indem man erzählte, der Teufel sei in sie gefahren“, sagte Petra Albert und konnte die beiden Jungen beruhigen, die gebannt zuhörten: „Zum Glück können wir heute Unwetter oder andere Phänomene wissenschaftlich erklären.“ Damals habe es in der Turmstraße noch einen Hexenturm, das Gefängnis für verhexte Frauen gegeben.

Die Stadtführerin berichtete auch von den Saboteuren der 1848er Revolution, die die Bahngleise in Orschweier herausrissen, damit regierungstreue Truppen nicht ins aufrührerische Südbaden gelangten. Sie las im schummrigen oberen Teil des Prinzengartens aus einem Kriminalroman und erzählte von Kriminalgeschichten, die sie anhand der Grenzsteine im Museumshof herausgefunden hat. Die Tatsache, dass das Kloster Ettenheimmünster seine eigene Gerichtsbarkeit hatte, habe die Festnahme eines Mordbrenners und einer Kindsmörderin offengelegt und die Schwierigkeit, sie hinter Gitter zu bringen.

Die meisten der etwa 50 Teilnehmer kamen aus Ettenheim und dem Umland. „Wir wollten eine etwas andere Stadtführung erleben“, sagten sie und mögen die Rohanstadt nun in einem anderen Licht sehen.

 

Text und Bild: Erika Sieberts