Das Parteibuch spielt keine Rolle - Suche nach Gemeinderatskandidaten als fraktionsübergreifende Initiative

2. Juli 2018

Drei Gesprächsrunden und ein Bündel voller Fragen

Gemeinsam hatten die Fraktionsvorsitzenden von CDU, FWV, SPD und FLE im Ettenheimer Gemeinderat auf Mittwoch in den Bürgersaal zu einer Infoveranstaltung mit dem Titel "Was macht eigentlich ein Gemeinderat?" eingeladen. Damit sollten gezielt politisch interessierte Bürger angesprochen werden, die mit dem Gedanken spielen, im kommenden Jahr für den Gemeinderat zu kandidieren. Zur Begrüßung war Bürgermeister Bruno Metz erschienen, der allen Beteiligten gutes Gelingen und angeregte Gespräche wünschte. Vier Fraktionsvertreter verzichteten auf einen Vortrag und betonten eingangs lediglich, dass der Gemeinderat als wichtigstes kommunales Organ mit engagierten Bürgern aus allen Schichten und Altersklassen besetzt sein sollte. Diese wolle man motivieren, zu kandidieren, auf welcher Liste auch immer. Dann übernahm Kommunalberater Udo Wenzl als Moderator die weitere Regie. Er sorgte geschickt für zwanglose Kommunikation. Das hatte er schon als Begleiter der früheren städtischen "Bürgerwerkstatt" und im Jugendforum professionell geschafft.

Runde eins: In zwei Tischgruppen trugen die Interessenten ihre Fragen zusammen, listeten überdies auf, was sie von einer Kandidatur abhalten könnte. An zwei weiteren Tischen trugen die Gemeinde- und Ortschaftsräte hingegen zusammen, was sie als Motive sehen, mitzumachen und entwarfen gleich noch eine Veranstaltungsplanung für Erstwähler auch an Schulen, um schon Jugendliche mehr für Kommunalpolitik und Engagement zu motivieren.

Runde zwei: Statt Ergebnisse im Plenum zu präsentieren, ließ Wenzl die Bürger mit einzelnen Mandatsträgern in kleinen wechselnden Gruppen sprechen, in denen sie ihre Fragen los werden konnten. Das entpuppte sich als sehr produktiv und locker, wie sich im Rundgang bei den vielen Gesprächsgrüppchen unschwer feststellen ließ. Da wurde höchst angeregt diskutiert, über alle Gemeinderatsgruppierungen hinweg. Die hatten ja zuvor auch betont, dass gerade in der örtlichen Kommunalpolitik eher keine Parteibücher oder Mitgliedschaften zählen, sondern das gemeinsame Interesse, die Stadt voranzubringen.

Runde drei: Im großen gemeinsamen Kreis äußerten sich Teilnehmer zu ihren persönlichen Überlegungen, aus welchen Gründen sie sich eine Gemeinderatskandidatur vorstellen könnten. Etwa einer, der in der Altstadt wohnt: "Ich sehe, dass da manches schief läuft!" Ein Anderer fand es wichtig, für mehr Rollstuhlfreundlichkeit zu sorgen, eine Dritte einfach wichtig, in einer Demokratie auch mitzumachen. Da spitzten die Fraktionsvertreter natürlich schon gewaltig ihre Ohren. Ein Stadtrat scherzte: "Spätestens ab September klingelt es an vielen Haustüren zur Kandidatensuche."

Wenzl durfte den abschließenden Eindruck mitnehmen, dass die unkonventionelle Info-Veranstaltung bei allen Beteiligten bestens ankam.
Zentrale Fragen und Antworten:

Was spricht gegen eine Kandidatur? Es sind bei vor allem Ängste, nicht kompetent zu sein, öffentlich sprechen zu müssen, persönlich angegriffen zu werden, seine Meinung öffentlich zu machen, Fehler zu begehen. Doch da hatten sich die derzeitigen Mandatsträger alle Mühe gegeben, den interessierten Bürgern in Einzelgesprächen solche Sorgen zu nehmen, samt der Versicherung, dass es keinen Fraktionszwang gibt, und jeder nur seinem eigenen Gewissen und dem Wohl der Stadt verpflichtet sei.

Was spricht für eine Kandidatur? Das hatten die Mandatsträger schon zuvor teils schriftlich zusammengetragen. Demokratie lebe vom Mitmachen und Mitgestalten. Man wolle die Lebenswirklichkeit repräsentieren, Sprachrohr für andere sein, eigene Erfahrungen und Wissen für die Weiterentwicklung Ettenheims und seiner Ortsteile einbringen, kritischer Partner der Stadtverwaltung sein. Und: Im derzeitigen Gemeinderat herrsche seit geraumer Zeit eine kollegiale Atmosphäre ohne Beleidigungen, darauf könne man stolz sein.

Text: Michael Masson
Foto: Sandra Decoux-Kone